
Eine weitere Woche liegt hinter uns, doch das beherrschende Thema an der Börse kommt Anlegern und Investoren gut bekannt vor: der Irankrieg. Angriffe trotz Waffenruhe und die Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran haben auch diese Woche die größte Rolle an den Aktienmärkten gespielt. Anleger hofften abermals auf ein baldiges Kriegsende und eine Wiedereröffnung der für den Energietransport wichtigen Wasserstraße von Hormus. Der Dax handelte zeitweise in Reichweite seiner im Januar erreichten Rekordmarke von 25.507,79 Zählern. Der Euro Stoxx 50 legte nur knapp zu.
Ob es sich nur um eine kurze erneute Eskalation in Iran handele oder sogar um das Ende der Friedensverhandlungen, könne im Moment niemand vorhersagen, sagte Thomas Altmann von QC Partners. „Solange die Lage im Iran unübersichtlich bleibt, bleibt die Situation an den Börsen volatil.“
Entscheidende Frage: Gibt es eine Waffenruhe?
Neue Spekulationen auf eine Lösung im Irankrieg trieben den Dax am Pfingstmontag über die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten, die er zuvor vor zweieinhalb Wochen nach unten verlassen hatte. Schon am Dienstag drückten die Sorgen um die Lage im Nahen Osten wieder die europäischen Börsen ins Minus. Trotz Waffenruhe griffen die USA Ziele in Iran an.
Gegen Ende der Woche gab es wiederum das Signal einer Annäherung. Iran und die USA sollen sich einem Medienbericht zufolge auf eine Grundsatzerklärung zur Verlängerung der Waffenruhe verständigt haben. Beide Seiten hätten sich auf eine 60-tägige Vereinbarung geeinigt, um Verhandlungen über das iranische Atomprogramm aufzunehmen, berichtete die amerikanische Nachrichtenwebsite „Axios“ am Donnerstag unter Berufung auf zwei Insider. Der US-Präsident Donald Trump müsse dem Plan jedoch noch zustimmen.
Auch diese Woche erschien das Auf und Ab mit Blick auf eine mögliche baldige Waffenruhe. Wenn Sie diese Zeilen lesen, könnte sich die Lage zwischen Amerika und Iran schon wieder verändert haben und damit auch die Märkte. „Anleger schöpfen kurzfristig Kraft aus der Chance auf eine Verlängerung der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA, auch wenn die Unzufriedenheit darüber zunimmt, dass es in den Kernfragen wie dem Atomprogramm keine Fortschritte gibt“, sagte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, am Freitag. „Der Dax lauert auf den ultimativen Befreiungsschlag“, attestierte Frank Sohlleder vom Online-Broker Activ Trades. Hinter den Kulissen braue sich ein gigantisches Kurspotential zusammen. Der Index verteidige die 25.000 Punkte mit eiserner Disziplin. Ein Friedensabkommen könne zum Treibstoff des nächsten „Kurs-Tsunamis“ werden.
„Dax lauert auf den Befreiungsschlag“
Gleichzeitig sind während der Entwicklungen im Irankrieg die Rüstungswerte wieder gefragt. Im Dax standen die Aktien von Rheinmetall zwischenzeitlich am Donnerstag mit einem Plus von über vier Prozent an der Spitze des Leitindex. Der Konzern vermeldete einen Auftrag der Bundeswehr im Volumen von gut einer Milliarde Euro brutto. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verachtfacht.
Am Ölmarkt zeigten sich die Investoren erleichtert: Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verbilligten sich zwischenzeitlich um jeweils mehr als ein Prozent auf 92,40 und 87,37 Dollar je Fass. Auf Wochensicht verloren die Notierungen mehr als zehn und knapp neun Prozent.
Gold notierte bei rund 4500 Dollar je Unze und steuerte auf den dritten Monat in Folge mit Verlusten zu. Das wäre die längste Verlustserie seit Oktober 2022. Zusätzlich belastete auch die Aussicht auf höhere Zinsen der US-Notenbank Fed den Edelmetallpreis.
Deutsche setzen auf langfristige Strategien
Doch trotz der Unsicherheiten des Irankriegs, steigender Inflation und schwankungsanfälliger Kapitalmärkte setzen offenbar immer mehr Deutsche auf eine langfristige Anlagestrategie. 32 Prozent der deutschen Anleger behaupten, dass die Marktvolatilität ihr Verhalten nicht beeinflusst und sie auch in turbulenten Phasen an ihrer langfristigen Strategie festhalten. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des Vermögensverwalters Fidelity International, für die 13.000 Privatanleger in Europa und der Asien-Pazifik-Region befragt wurden, darunter auch 1000 Investoren in Deutschland.
Weitere 22 Prozent der Befragten in Deutschland wollen sich beraten lassen, bevor sie allenfalls Änderungen vornehmen. Während 16 Prozent vorübergehend ihre Anlagestrategie pausieren, bis sich das Marktumfeld wieder stabilisiert, berichten nur fünf Prozent, dass sie in Phasen erhöhter Volatilität besonders betroffener Sektoren direkt verkaufen.
SpaceX: Investoren blicken auf den Börsengang
Investoren richten ihren Blick nun auf mögliche Börsengänge, darunter den von SpaceX im Juni. Das Unternehmen senkte das Ziel für die IPO-Bewertung auf mindestens 1,8 Billionen Dollar – was nach aktuellem Stand der bislang größte Börsengang wäre und Musk zum ersten Billionär der Welt machen könnte. Der US-Index Nasdaq hat seit Mai auch die Regeln für einen Börsengang geändert: SpaceX wird damit leichter in den begehrten Nasdaq-100-Index aufgenommen. Zuvor hätte die Aufnahme Monate gedauert, SpaceX soll schon nach drei Wochen in dem Index erscheinen. Zudem plant SpaceX, nur vier bis fünf Prozent seiner Aktien auf den Markt zu bringen – nach dem alten Regelwerk hätten es zehn Prozent sein müssen, um im Index aufgenommen zu werden.
