
Es ist ja nicht so, dass David Rendel (SPD) in die Stadtkasse gegriffen oder gar noch Schlimmeres gemacht hätte. Er muss jetzt vor allem dafür büßen, dass sein Amtsvorgänger, Parteifreund und Ziehvater Thomas Jühe als Bürgermeister von Raunheim über zwei Jahrzehnte hinweg zwar viel Gutes getan, aber auch einen ordentlichen Scherbenhaufen hinterlassen hat. Denn an dem 2022 überraschend verstorbenen Macher und Machtmenschen können sich jene, die bald nach seinem Tod erbost und zum Teil verletzt die SPD verlassen haben, um die unabhängige Wählergruppe „Wir sind Raunheim (WsR)“ zu gründen, ja nicht mehr abarbeiten.
Jühes bisweilen eher ungeschickt agierenden Nachfolger, der ihnen seit 2023 deutlich mehr Angriffsfläche bot, wollen die Kritiker nun keinesfalls ungeschoren davonkommen lassen. Tatsächlich hat Rendel vom ersten Arbeitstag an unter einem Stadtparlament leiden müssen, in dem noch immer viele alte Rechnungen offen sind.
Rendel verliert an Rückhalt
Irgendetwas muss der Amtsinhaber aber auch selbst falsch machen. Sonst würde der SPD-Politiker, der in vielen Vereinen aktiv ist und jahrelang als Fußballschiedsrichter unterwegs war, nicht immer mehr an Rückhalt verlieren. Dass ihm gerade jetzt, kurz vor dem zukunftsweisenden Bürgerentscheid, die eigene Partei von der Seite geht, verheißt nichts Gutes. Für den Noch-Bürgermeister kann es eigentlich nur darum gehen, skandalfrei durch den Sommer zu kommen und darauf zu hoffen, dass sich im September günstigstenfalls nicht allzu viele Bürger für die Frage „Stimmen Sie für die Abwahl des Bürgermeisters der Stadt Raunheim, David Rendel?“ interessieren – und die erforderliche Abwahlquote von 30 Prozent aller Stimmberechtigten verfehlt wird.
Jene, die seinen Rücktritt etwa bei der WsR am lautesten fordern, weil sie im Einzelfall selbst Interesse an dem Chefposten haben, sollten sich eingestehen, dass sie sich auch früher schon, zu Jühes Lebzeiten und noch als SPD-Mitglieder, hätten einmischen dürfen. Dass der Bürgermeister sein Ferienhaus in Österreich von kommunalen Mitarbeitern hat herrichten lassen, dürfte im Rathaus ebenso bekannt gewesen sein wie die umstrittene Provisionsvereinbarung mit einem Bauamtsmitarbeiter. Da haben in der Vergangenheit wohl einige zu lange geschwiegen und halt die Hand gehoben, wenn „der Chef“ es wollte.
