Es ist ein schwüler Julitag, an dem Oliver Pesendorfer die künstliche Insel Ostervilm erreicht. Der rund 700 Quadratmeter große, verwitterte Betonkoloss liegt in der Ostsee, rund zwei Kilometer südöstlich von Rügen, eine frühere Militärstation der Nationalen Volksarmee. Vor wenigen Wochen hat der Unternehmer sie mit einem Geschäftspartner ersteigert. Kosten: 60.000 Euro.
Pesendorfer steigt aus dem schwankenden Fischerboot, fast fällt er hin dabei. »Als Erstes braucht’s hier einen vernünftigen Steg zum Anlegen«, sagt der 60-Jährige und wischt sich den Schweiß von der Stirn, das blaue Hemd klebt am Rücken. Sein Blick schweift über eine gespenstische Szenerie. In der Mitte stehen zwei baufällige Baracken, eine Tür hängt nur noch halb in den Angeln, kein Fenster hat mehr eine Glasscheibe, alles ist hier mit Vogelkot bedeckt. »Der Zustand ist schon arg«, gibt er zu. Es ist sein zweiter Besuch auf der Insel. Beim ersten einige Wochen zuvor habe er erst mal schlucken müssen. Dass Ostervilm keine Paradiesinsel ist, habe er sich denken können – aber dass es so runtergekommen ist, das hatte er dann doch nicht erwartet.
