Welche großen Sorgen man sich in Belgien wegen des ausgedehnten Landschaftsbrands im Naturschutzgebiet Hohes Venn mittlerweile macht, wird durch den hohen Besuch am Montag deutlich. Am frühen Nachmittag traf König Philippe im Krisenzentrum bei Lüttich ein, um sich aus erster Hand über die höchst angespannte Lage zu informieren und den Helfern zu danken. Anschließend brach Philippe nach Angaben des Königshauses zu Gesprächen am Brandort im belgisch-deutschen Grenzgebiet auf.
Das Feuer ist einer der größten Landschaftsbrände in der belgischen Geschichte. Auf einer Fläche von mehr als 3000 Hektar haben sich die Flammen mittlerweile voran gefressen. In einem Fernsehinterview erläuterte Feuerwehrkommandant Luc Burette die enormen Herausforderungen beim Einsatz in dem weitläufigen und mit schweren Fahrzeugen schwer erreichbaren Naturschutzgebiet. „Der Boden besteht aus Torf, an der Oberfläche ist Gras. Dadurch kann sich das Feuer schnell ausbreiten.“
Zwar freuten sich die Feuerwehrleute über den Regen. Doch zum Gamechanger taugen die Niederschläge wegen der geringen Menge einstweilen nicht. Das sah auch Ulrich Cimolino, der Fachmann für Waldbrandbekämpfung beim Deutschen Feuerwehrverband, so. In den Torfgebieten des Hohen Venns könnten die Glutnester noch wochenlang tief im Boden weiter schwelen, sagte er dem WDR.
Dabei geraten Moorgebiete eigentlich nur schwer in Brand. Dass es im Hohen Venn nun doch abermals geschah, dafür ist nach Einschätzung des Biologen Tobias Ceulemans der Mensch verantwortlich. Der Brand sei die Folge jahrzehntelanger Entwässerung, um dort für die Holzgewinnung Fichtenforst anpflanzen zu können, sagte er der flämischen Zeitung „Nieuwsblad“. Zugleich forderte der an der Universität Antwerpen lehrende Wissenschaftler: „Auf solchen Böden müsste es verboten sein, Nutzforst anzulegen.“
Auf deutscher Seite entspannte sich die Lage etwas
Aus deutscher Perspektive brachte der Montag eine gewisse Entspannung. Zwar war der Flächenbrand am Sonntag noch bis auf 300 Meter an die deutsche Grenze herangerückt. Seither aber breitet er sich – begünstigt durch den Regen und ausbleibenden Wind – nicht weiter aus. Die Nacht sei ruhig verlaufen, man habe die Situation „etwas entschärfen“ können, hieß es von der Einsatzleitung im nordrhein-westfälischen Monschau.
Die 30 Anwohner aus dem grenznahen Ortsteil Kalterherberg, der am Sonntagabend wegen drohender Rauchbelastung evakuiert worden war, dürften allerdings noch nicht zurück in ihre Häuser, sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Philipp Krüger. Weitere Evakuierungen seien derzeit nicht notwendig. „Die nächste Linie zur weiteren Evakuierung liegt noch weit, weit entfernt“, sagte Krüger.

Im Hürtgenwald in der Eifel, wo Ende vergangener Woche der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens entstanden war, standen die Zeichen einstweilen weiter auf Entspannung. Die Lage sei unter Kontrolle, doch nach wie vor gebe es zahlreiche Glutnester, die im Fokus der Brandbekämpfung stünden, weshalb der Einsatz noch nicht zu Ende sei. Etwa 400 Kräfte seien in der Nacht im Hürtgenwald gewesen, tagsüber doppelt so viele.
Derweil forderte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mehr Tempo bei der Wiederherstellung entwässerter Moore, Wälder und Auen. Angesichts der Großbrände im Hürtgenwald und im Hohen Venn werde deutlich, wie wichtig widerstandsfähige Landschaften beim Umgang mit den Folgen der Klimakrise sind, sagte der nordrhein-westfälische BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht am Montag in Düsseldorf. „In intakten Mooren kann der Torf nicht brennen, in naturnahen Waldökosystemen ist die Brandgefahr geringer als in Aufforstungen“, erläuterte der Umweltschützer. Die Wiedervernässung von Mooren und die Renaturierung von Auen seien für den Brandschutz relevant und stärkten zugleich den natürlichen Wasserrückhalt der Landschaft.
