
Die Inflation in Deutschland belief sich im April auf 2,9 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im März hatte die Inflationsrate schon 2,7 Prozent betragen, nach 1,9 Prozent im Februar.
Wichtigster Treiber der Teuerung sind im Moment die Energiepreise. Deren Preisentwicklung auf Jahressicht hatte noch im Februar die Inflationsrate gedrückt. Nach dem Beginn des Irankriegs und dem Preissprung an den Tankstellen begannen sie, die Inflation kräftig zu befeuern.
„Der Irankrieg und die damit einhergehenden Energiepreise lassen die Inflation in Deutschland steigen“, kommentierte Felix Schmidt, Ökonom des Hamburger Bankhauses Berenberg: „Bisher scheint sich der Preisdruck
kaum über die Energiepreise hinweg ausgeweitet zu haben.“
Euroinflation und Zinsentscheidung am Donnerstag
Mit Spannung wird an den Finanzmärkten verfolgt, wie lange die Europäische Zentralbank (EZB) dem Anstieg der Inflationsraten zusieht. Die Inflationsrate für den gesamten Euroraum wird an diesem Donnerstag veröffentlicht. Am selben Tag entscheidet die EZB über die Leitzinsen im April. Die Notenbank strebt ein Inflationsziel von „mittelfristig zwei Prozent“ an.
Marco Wagner, EZB-Beobachter der Commerzbank, sagte, er erwarte mittlerweile eine Zinserhöhung der europäischen Notenbank – aber noch nicht nun im April, sondern erst auf der nächsten Zinssitzung im Juni.
Die Mitglieder des EZB-Rates, die über die Leitzinsen entscheiden, befinden sich in der „Quiet Period“: In der letzten Woche vor einer Zinsentscheidung sollen sie sich nicht zur Geldpolitik äußern. Die Stimmen aus den Wochen davor waren hinsichtlich möglicher Zinserhöhungen eher zurückhaltend.
Österreichs Notenbankchef Martin Kocher hatte aber angedeutet, womöglich werde der Rat noch am Tag der Zinsentscheidung selbst darum ringen, wie man sich verhalten solle. Normalerweise stehen die EZB-Entscheidungen oft schon vorher fest, wie Kochers Vorgänger Robert Holzmann einmal aus dem Nähkästchen plauderte.
Höhere Inflationserwartungen der Verbraucher
Am Dienstag hatten Daten aus EZB-Umfragen zu den Inflationserwartungen der Verbraucher beunruhigend geklungen. Demnach erwarteten die befragten Konsumenten im Durchschnitt für die kommenden zwölf Monate einen Preisanstieg um vier Prozent — gegenüber 2,5 Prozent im Februar. Manche Analysten kommentierten allerdings, diese Erwartungen seien übertrieben.
Die Gold-Branchenorganisation World Gold Council jedenfalls hatte von einem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen im ersten Quartal auf der Welt und in Deutschland berichtet – und Inflationsängste als einen möglichen Grund dafür genannt (F.A.Z. vom Mittwoch).
Was genau alles im April teurer oder billiger geworden ist, verraten die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen für Nordrhein-Westfalen, die oft recht repräsentativ für ganz Deutschland sind.
Diesel teurer, Eier und Milch billiger
Deutlich teurer wurden demnach auf Jahressicht Benzin mit plus 18,8 Prozent, Diesel mit plus 36,1 Prozent und Heizöl mit plus 27,3 Prozent.
Kraftstoffe zusammengenommen verteuerten sich um 22,7 Prozent. Gegenüber dem unmittelbaren Vormonat März 2026, in dem die Kraftstoffpreise auch schon deutlich gestiegen waren, bedeutet das einen weiteren kleinen Anstieg um 0,5 Prozent. Seit dem 1. April ist die neue Regelung in Kraft, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise anheben dürfen; das hat offenbar nicht viel gebracht.
Günstiger für Verbraucher als im Vorjahresmonat waren Strom um 2,9 Prozent und Erdgas um 1,0 Prozent. Beim Gas schlagen höhere Weltmarktpreise aufgrund langfristiger Verträge immer erst mit zeitlicher Verzögerung auf die Verbraucherpreise durch; das kommt also noch.
Unter den Lebensmitteln stiegen die Preise für Fisch um 4,1 Prozent, für Fleisch um 3,8 Prozent und für Obst um 3,4 Prozent. Alkoholfreie Getränke verteuerten sich um 3,8 Prozent. Billiger wurden auf Jahressicht Speisefette und -öle um 16,3 Prozent sowie Molkereiprodukte und Eier um 3,1 Prozent.
Unter den Dienstleistungen verteuerten sich Gaststättendienstleistungen um 3,8 Prozent, Übernachtungen im Beherbergungsgewerbe um 8,4 Prozent. Dienstleistungen sozialer Einrichtungen, dahinter steckt die Pflege, wurden 6,9 Prozent teurer und Versicherungsdienstleistungen 6,0 Prozent.
Präsente Erinnerung an höhere Inflation
Die höchsten Inflationsraten der jüngeren Zeit waren im Herbst 2022 verzeichnet worden. In Deutschland erreichten sie fast zehn Prozent, für den Euroraum insgesamt lagen sie sogar noch darüber.
Der Schock dürfte vielen Verbrauchern noch präsent sein, zumal viele Preise im Supermarkt danach nicht wieder zurückgegangen sind und die Haushaltsbudgets weiter belasten. Diese Erinnerung an eine höhere Inflation vor nicht allzu langer Zeit gilt als einer der Unterschiede zu 2022. Womöglich reagieren die Menschen deshalb schneller als sonst auf wieder steigende Raten.
Die höchsten Inflationsraten aller Zeiten in Deutschland wurden 1923 in der Hyperinflation erreicht. Die Erinnerung an diese Geschehnisse sollte den Deutschen noch lange danach im Bewusstsein bleiben.
