
Der Industriegasekonzern Messer schließt den umfassenden Umbau seines Vorstands ab. Finanzchef wird nach Informationen der F.A.Z. Sven Wildner, der von der schweizerischen Omya AG kommt und früher einige Jahre lang für Siemens arbeitete. Er folgt mit Wirkung zum 1. September auf Helmut Kaschenz, dessen Abgang schon angekündigt war. Eine Sprecherin bestätigte die Personalie. Im Mai war offenbar geworden, dass drei von fünf Mitgliedern im obersten Führungsgremium in kurzer Zeit das Unternehmen verlassen würden: Konzernleiter Bernd Eulitz, Kaschenz sowie Europachefin Virginia Esly. Die Nachfolge ist in allen drei Fällen geregelt, der Vorstand wird außerdem auf drei Mitglieder verkleinert.
Messer ist einer der Aufsteiger in der deutschen Wirtschaft – und neuerdings der größte deutsche Anbieter von Industriegasen. Denn der große heimische Konkurrent Linde hat sich ins Ausland wegfusioniert, dagegen ist das Familienunternehmen aus Bad Soden nahe Frankfurt in die Weltliga zurückgekehrt mit mehr als vier Milliarden Euro Umsatz. Messer liefert Gase an Industrieunternehmen aus der Medizin, Lebensmittel- und Elektronikbranche und an Forschungsinstitute. Linde, einst Mitglied im Frankfurter Börsenleitindex Dax, ist eine Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair eingegangen und mit seinem Sitz aus Deutschland verschwunden.
Jetzt größter deutscher Branchenvertreter
Von Linde war vor Jahren der Manager Bernd Eulitz zu Messer gekommen. Die Nachricht über seinen Abgang kam im Frühjahr überraschend: Der Manager gehe mit Ablauf seines Vertrags in den Ruhestand, hieß es. Nachfolger ist Peter Mohnen, der bis zum vergangenen Jahr den Roboterkonzern Kuka geleitet hatte. Mohnen war kurz zuvor erst in Messers Aufsichtsrat berufen worden und gab den Sitz mit dem Wechsel in den Führungssessel wieder ab. Warum er dann überhaupt Kontrolleur wurde, ist eine der Fragen, die Mitarbeiter beschäftigten. Das Unternehmen stellte das Ausscheiden Eulitz’ als geplanten Gang in den Ruhestand dar. Aus Unternehmenskreisen war damals zu hören, er wolle künftig höchstens noch kleinere Mandate in der Wirtschaft übernehmen.
Wildner begann seine berufliche Laufbahn bei Siemens, wo er in den Jahren 1999 bis 2011 in verschiedenen Leitungsfunktionen tätig war. Er arbeitete unter anderem in den Abteilungen Unternehmensfinanzen und Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) und übernahm internationale Führungspositionen in den USA und Europa. Vom Jahr 2012 bis zum Jahr 2026 war er Finanzchef und Vorstandsmitglied der Omya AG, eines Familienunternehmens für Industriemineralien und Chemiedistribution.
Das einzige Mitglied, welches nach dem Revirement im Messer-Vorstand verbleibt, ist Elena Skvortsova, die die Amerikaregion verantwortet. Bisher waren auch die Regionen Europa und Asien im Vorstand vertreten – aber das hat sich mit der Neuordnung geändert. Zu Eslys Nachfolger ist ein Mann aus dem eigenen Haus ausgewählt worden, nämlich der alte Marketingchef Matthias Thiele. Die Asien-Leitung hat Marc Wachter übernommen, ebenfalls aus dem eigenen Haus. Warum die beiden Regionen jetzt nicht mehr direkt im Vorstand vertreten sind, bleibt unklar.
Messer erzielte im vergangenen Jahr 4,5 Milliarden Euro Umsatz, ein knappes Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg marginal auf 1,4 Milliarden Euro. Die Marge blieb damit auf branchenüblich hohen 31 Prozent.
