Titel, die Drehbuchautoren sich im Arbeitsprozess ausdenken, stehen für gewöhnlich am Ende nicht auf der Leinwand. Bei diesem Film war das anders. Als Karen McCullah und Kirsten Smith sich zusammensetzten, um eine von Shakespeares „Die Zähmung der Widerspenstigen“ inspirierte Teeniekomödie zu schreiben, suchte McCullah in ihren alten Tagebüchern nach dem richtigen Ton. Sie fand dabei eine Liste, auf der sie zehn Dinge notiert hatte, die sie an ihrem damaligen Freund hasste. McCullah las ihrer Schreibpartnerin die Aufzählung vor, und die sagte: „Zehn Dinge, die ich an dir hasse, das wäre ein super Filmtitel.“ Daraus entstand einer der einflussreichsten Teenagerfilme der späten Neunzigerjahre, der drei der wichtigsten Schauspieler ihrer Generation hervorbringen sollte.
Die Geschichte führt tatsächlich dicht an Shakespeares Vorlage entlang: Cameron kommt als neuer Schüler an die Padua High School und verliebt sich gleich am ersten Tag in Bianca, eine der beliebtesten Schülerinnen ihres Jahrgangs. Die hätte sogar prinzipiell Interesse an einem Date mit ihm, aber ihr findiger Vater hat eine strenge Regel erdacht: Seine jüngste Tochter darf sich erst mit einem Jungen treffen, wenn auch die ältere Schwester Katarina, genannt Kat, ans Daten denkt. Kat winkt bei solchen Vorschlägen dankend ab, liest feministische Bücher, hört Girlbands und hängt mit ihrer nerdigen Freundin ab, die am liebsten mit Shakespeare persönlich Kaffee trinken gehen würde, weil High-School-Jungs ihr zu primitiv sind.
Er heuert den Bay Boy der Schule an
Cameron schmiedet also einen Plan, um seine Angebetete ausführen zu können: Er heuert Patrick an, den Bad Boy der Schule, der soll Kat umgarnen. Dieser aber verlangt, wie Jungs, die keinen Ruf zu verlieren haben, das tun, angemessene Bezahlung. Die besorgt Cameron über einen weiteren, deutlich wohlhabenderen Verehrer Biancas, der ebenfalls daran interessiert ist, die Schönheit mit auf Partys nehmen zu können. Genug Potential also für Missverständnisse und Liebeswirren.
Gil Junger wollte für sein Spielfilmregiedebüt keine Komödie filmen, die High-School-Schüler und ihre Probleme belächelte. „Ich wollte vielmehr einen Film über Liebesbeziehungen drehen, die zufällig nun einmal High-School-Schülern passieren“, so Junger. Für die Besetzung suchte er nach jungen Talenten, die bislang noch nicht in Erscheinung getreten waren. Die Ausnahme bildete dabei Cameron, den er mit Joseph Gordon-Levitt besetzte. Gordon-Levitt spielte da bereits seit sechs Staffeln eine größere Rolle in der Sitcom „Hinterm Mond gleich links“ – er war es auch, der Junger sofort klarmachte, er wolle keine dummen Witze auf Kosten der Teenie-Figuren aufsagen. Der Regisseur konnte ihn in dieser Hinsicht beruhigen, genau das lag ihm fern. Beiden kam das Drehbuch von McCullah und Smith hier entgegen, denn die Autorinnen legten ihren Figuren Worte in den Mund, die ihre Gefühle und Absichten höchst eloquent kommunizierten – ein Trend, der sich überhaupt durch die Teenager-Serien und -filme der späten Neunzigerjahre zieht. Von Kevin Williamsons „Dawson’s Creek“ bis zu Joss Whedons „Buffy – Im Bann der Dämonen“ sprachen die jungen Heldinnen und Helden höchst reflektiert über ihr Innenleben.
Natürlich brauchte es dafür erstklassige Darsteller. Junger fand neben dem bereits erwähnten Gordon-Levitt den Australier Heath Ledger für die Rolle des jungen Wilden, der Kat bezirzen darf. Von Ledger war er direkt beim ersten Vorsprechen begeistert: „Er hatte diese fesselnde Ausstrahlung! Als ich ihn das erste Mal traf, dachte ich: Filmstar!“ Ledger kombiniert für seinen Patrick die Attitüde eines Rocksängers mit der verletzlichen Männlichkeit James Deans. Er hat keine Angst vor Autoritäten: Der Direktorin gibt Patrick Tipps für deren erotischen Roman (beim Wiedersehen dieses Films im Erwachsenenalter fällt auf, wie viel Spaß die großartige Allison Janney in dieser Nebenrolle hat). Er schert sich nicht darum, was andere von ihm halten – für Kat performt er vor der gesamten Schule mit engagierter Bandbegleitung Sinatras „I love you, baby“. Und er übernimmt Verantwortung für sein Handeln. Als er mit Kat auf einer Studentenparty auftaucht, wo sie sich betrinkt, kümmert er sich danach um sie, hält ihr die Haare, als sie sich übergeben muss, und bringt sie nach Hause, ohne dumme Avancen.

Die Ausstrahlung, von der der Regisseur schwärmte, ist in jeder Szene mit Ledger zu sehen, er brennt heller als alle. Zum Glück kann seine Filmpartnerin Julia Stiles mithalten. Gerade mal siebzehn Jahre war sie, als sie die Rolle der Kat übernahm – und wusste, dass dies ihr Durchbruch im Kino sein könnte. Mit so viel Ehrgeiz wie Talent gesegnet, trieb sie der Filmcrew in der Schlüsselszene Tränen in die Augen. Nach langem Hin und Her zwischen Kat und Patrick liest sie im Literaturkurs ein Gedicht vor, zählt zehn Dinge auf, die sie an ihm hasst. Es ist eine schonungslos unsentimentale Liebeserklärung. „Es war der erste Take dieser Szene“, erinnert sich Junger. „Ich hab mir die Hand vor den Mund gehalten; ich hab so geheult, wollte die Szene aber nicht stören.“
Stiles ist mittlerweile in mehr als 50 sehr erfolgreichen Filmen aufgetreten. Gordon-Levitt hat mehrfach mit Christopher Nolan gearbeitet, ist heute selbst Regisseur und Produzent und engagiert sich gegen KI im Filmgeschäft. Heath Ledger überstrahlte in den nächsten Jahren weiterhin all seine Filmpartner. 2008 wurde er tot in seinem Apartment gefunden; er war nur 28 Jahre alt geworden.
