
Auf dem Papier hat es schon einige Anläufe gegeben, auf dem Areal der vor rund 20 Jahren geschlossenen Klinik am Bingert in Wiesbaden Neues entstehen zu lassen. Aber die Bilanz der zwei Dekaden ist fatal: Abgesehen von einem Abriss der zum „Lost Place“ mutierten Klinik-Ruine und der anschließend von Planierraupen zusammengeschobenen Brache ist seit 2005 baulich nichts passiert. Immerhin hat auf dem Areal, das wohl zum Wertvollsten zählt, was Wiesbaden derzeit an Bauland zu bieten hat, die Natur die untätige Ruhe genutzt: Es wuchert dort an allen Ecken und Enden.
Man muss hoffen, dass mit der nun vorangetriebenen Bauplanung das Vorhaben des Essener Investors Instone und der OFB-Projektentwickler für das Areal Fahrt aufnimmt. Es wäre ein wichtiges Signal für die Landeshauptstadt, wenn tatsächlich — wie von der OFB geplant — Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres die Bauarbeiten beginnen würden.
Geglücktes Flächenmanagement sieht anders aus
Für Wiesbaden ist es mindestens peinlich, seit 20 Jahren in bester Lage eine Klinik-Ruine und eine verwildernde Brache hinnehmen zu müssen. Für ein geglücktes kommunales Flächenmanagement spricht das nicht. Allerdings ist die Situation der Baubranche im Moment nicht einfach. Zwar steigen die Baupreise nach dem Preissprung von 2022 von 15 bis 16 Prozent inzwischen wieder moderater. Aber sie steigen. Laut Statistischem Bundesamt lagen sie im Februar um 3,3 Prozent über den Preisen im Vergleichsmonat des Vorjahres.
Umso mehr ist zu hoffen, dass das Projekt trotz nicht idealer Bedingungen gelingt. Denn damit würde nicht nur die klaffende Brache in einer der attraktivsten Lagen der Landeshauptstadt endlich wieder geschlossen. Mit den 300 geplanten Wohnungen würde die Wohnraumnot, die wie im nahezu gesamten Rhein-Main-Gebiet auch in Wiesbaden herrscht, wenigstens gelindert. Wie heikel die Lage inzwischen ist, lässt sich daran ablesen, dass längst nicht mehr nur Menschen mit geringem Einkommen Schwierigkeiten haben, eine bezahlbare Wohnung zu bekommen. Inzwischen gilt das auch für Bezieher mittlerer Einkommen.
