
An der ligurischen Küste herrschen im Sommer Temperaturen um die 30 Grad. Hat diese Hitze vielleicht die Sitten gelockert? Färbt die Dolce Vita in diesem gesegneten Landstrich auch auf Nonnen ab?
Im nahe Genua gelegenen Spotorno betreiben die Schwestern des Ordens Carità di Santa Maria jedenfalls schon seit 1946 ein Strandbad. „Bagni Gino Garrone“ heißt es. Internetbilder zeigen Reihen von grün-gelb gestreiften Sonnenschirmen, Kommentare loben die Sauberkeit und beklagen die hohen Preise.
Bald könnte das fröhliche Planschen jedoch ein Ende haben. Päpstliche Sittenwächter sind zwar nicht aufgekreuzt, dafür aber eine EU-Regel. Pachtverhältnisse müssen öffentlich ausgeschrieben werden, die Nonnen könnten so ihr Privileg verlieren.
Selbst die „New York Times“ berichtete
Gegen den Entzug ihrer Konzession laufen die Klosterfrauen nun Sturm. In der italienischen Presse ist bereits von einer „guerra santa“ – einem heiligen Krieg – die Rede. In einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender Canale 5 erklärte Schwester Alessandra, das Kloster finanziere im Unterschied zu den meisten anderen Betreibern mit den Einnahmen des Strandbads wohltätige Zwecke. Es sei etwa die Mission der Nonnen, berufstätige Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder zu unterstützen. Ohne die Einnahmen aus dem Strandbad könne dieses Angebot möglicherweise nicht mehr aufrechterhalten werden.
Bis in die „New York Times“ ist die Kunde vom Unglück der Nonnen vorgedrungen. Doch der Bürgermeister von Spotorno bleibt hartnäckig und will die schon länger bestehende EU-Bolkestein-Richtlinie, die außer öffentlichen Ausschreibungen auch einen höheren Anteil freier Strände verlangt, endlich umsetzen. Der Orden könnte sich zwar um eine entsprechende Konzession bewerben, dürfte dann jedoch kein Eintrittsgeld mehr erheben. Die Einnahmen müssten ausschließlich aus der Vermietung von Sonnenliegen generiert werden.
Wie wäre es stattdessen mit einer Wasserskischule?
Wie bedauerlich für die Nonnen, dass die Kirche ihre weltlichen Machtansprüche längst aufgegeben hat. In früheren Zeiten wäre bei solch anmaßenden Eingriffen in kirchliche Güter zweifellos eine Armee aus dem Vatikan angerückt. Doch während die Päpste einst mit den Kaisern um die Weltherrschaft rangen, scheint gegen EU-Richtlinien selbst göttlicher Beistand nicht mehr zu helfen. Oder wird der Bürgermeister doch noch ein Einsehen haben und bußfertig, wenn schon nicht nach Canossa, so zumindest ins Kloster der barmherzigen Schwestern ziehen?
Sollte Spotornos Oberhaupt hartherzig bleiben, werden die Nonnen, da zumindest sind wir zuversichtlich, sicher rasch ein neues Geschäftsfeld finden. Klöster sind ja schon immer findig gewesen. Vorschläge erwünscht? Die Ordensfrauen könnten dem Beispiel ihrer Kollegen in Tirol folgen, wo das Zisterzienserstift Stams Mitträger eines Skiinternats ist.
Schnee gibt es zwar in Spotorno nicht ganz so oft. Aber wie wäre es mit einer Wasserskischule? Und weil es die Touristen nach ein paar Runden auf den Wellen gewiss nicht nur nach geistlicher Erfrischung dürstet, könnten die Schwestern gleich auch noch Cocktails servieren. „Holy Water“ und „Bloody Mary“ dürften sich besonders gut verkaufen, wenn sie von Nonnen persönlich ausgeschenkt werden.
