
Die Immobilienpreise in Deutschland steigen bislang trotz höherer Bauzinsen weiter. Das berichtet der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP), dessen Zahlen in der Branche einen guten Ruf genießen.
Demnach waren Immobilien im ersten Quartal dieses Jahres im Schnitt 2,2 Prozent teurer als im Vorjahreszeitraum. Überdurchschnittlich stiegen die Preise für Wohnimmobilien mit plus 2,3 Prozent, vor Büroimmobilien mit plus 1,9 Prozent und Einzelhandelsimmobilien mit plus 1,5 Prozent.
„Moderater Rückenwind“
„Die Immobilienpreise in Deutschland sind abermals mit moderatem Rückenwind in das Jahr 2026 gestartet, sie haben damit den Aufwärtstrend des Vorjahres untermauert“, sagte Jens Tolckmitt, der Hauptgeschäftsführer des Verbands.
Durch den Irankrieg und höhere Inflationserwartungen waren seit Ende Februar die Kapitalmarktzinsen in Deutschland gestiegen. Die Bauzinsen lagen im Mai nach Zahlen der Verbraucherplattform Biallo bei 3,95 Prozent für Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung. Je nach Beleihung kommt man aber auch schon auf mehr als vier Prozent. Der Kreditvermittler Interhyp rechnet für die nächsten sechs bis zwölf Monate mit einem weiteren Anstieg. Steigende Bauzinsen wirken tendenziell dämpfend auf die Immobilienpreise; das kann aber zeitverzögert eintreten oder auch von anderen Effekten überlagert werden.
Unter den Wohnimmobilien verteuerte sich laut Pfandbriefbankenverband selbst genutztes Wohneigentum stärker als Mietshäuser. So legten die Preise für Eigentumswohnungen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent zu, die für Einfamilienhäuser um 2,4 Prozent und die für Mehrfamilienhäuser um 2,2 Prozent.
Dynamik des Mietanstiegs lässt nach
„Auch wenn die Dynamik des Mietanstiegs aktuell etwas nachgelassen hat, bleibt die Situation auf dem Wohnungsmarkt sehr angespannt“, sagte Tolckmitt: „Die nach wie vor bestehende Knappheit an Wohnraum lässt Preise und Mieten vor allem in den Metropolen weiter steigen.“ Nach dem methodischen Ansatz der Bundesbank stiegen die Preise in den sieben größten Städten in Deutschland um 2,7 Prozent, nach dem des Verbands um 3,6 Prozent. Unter den Metropolen verteuerten sich Wohnimmobilien am stärksten in Hamburg mit plus 4,9 Prozent. Etwas geringer fielen die Wachstumsraten in Düsseldorf mit 4,1 Prozent, Frankfurt am Main und Köln mit jeweils 4,0 Prozent und München mit 3,5 Prozent aus. Dahinter folgten Berlin mit 2,9 Prozent und Stuttgart mit 1,7 Prozent.
Die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für die Hauspreise des ersten Quartals 2026 werden erst am 25. Juni veröffentlicht. Für das letzte Quartal 2025 hatte das Amt einen Anstieg auf Jahressicht um 3,0 Prozent vermeldet.
Zinsanstieg ist nicht dramatisch hoch
Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, vertrat die Ansicht, trotz der steigenden Bauzinsen sei im Moment nicht mit wieder fallenden Hauspreisen zu rechnen. „Natürlich dämpfen steigende Hypothekenzinsen für sich genommen die Häuserpreise“, sagte er: „Aber der Anstieg der Zinsen ist ähnlich moderat wie im ersten Quartal vergangenen Jahres, als sich die Erholung der Häuserpreise fortsetzte.“
Das habe vor allem daran gelegen, dass der Effekt des Zinsanstiegs durch steigende Löhne weitgehend kompensiert worden sei und sich die Finanzierbarkeit von Immobilien aus Sicht privater Hauskäufer per Saldo nicht verschlechtert habe. „Das erwarte ich wegen der noch immer spürbar steigenden Löhne auch diesmal“, führte Krämer aus: „Alles in allem dürfte der jüngste Zinsanstieg die moderate Erholung der deutschen Häuserpreise nicht zum Stillstand bringen.“
Für weiter steigende Preise spreche auch die Knappheit an Wohnraum, die wegen der niedrigen Neubauaktivität bis auf Weiteres anhalten sollte. Der Ökonom hebt allerdings hervor: „All das gilt nur unter der Annahme, dass der Nahostkrieg nicht zu einer Rezession der Weltwirtschaft führt, die auch die deutschen Hauskäufer verunsichern würde.“
Energiepreisschock für Baumaterialien
Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) schreibt unterdessen in einer Analyse, dass in fast allen europäischen Ländern die Hauspreise derzeit weiter steigen. Die Finanzierungskosten blieben auch künftig erhöht. Die Handwerkerkosten stiegen weiter überdurchschnittlich. Und durch den Energiepreisschock dürften zudem die Preise vieler Baumaterialien noch mal zulegen.
Hinsichtlich der Wohnungsfertigstellungen dürfte in diesem Jahr erst mal der Tiefstand erreicht sein, meinte Helaba-Analyst Paul Richter. Die Erschwinglichkeit von Wohneigentum werde sich vorerst nicht weiter verbessern. Insbesondere die fortschreitende Urbanisierung und die hohe Wohnraumnachfrage in den Großstädten dürften dort für deutliche Preissteigerungen sorgen.
Für Bestandsimmobilien spiele weiterhin die Energieeffizienz eine Rolle. Da komme „noch einiges“ auf Deutschland zu, meinte Richter. Sehr viele Wohnungen hätten schließlich immer noch Öl- und Gasheizungen. Die Preise für Bestandsimmobilien erholten sich aber trotz des energetischen Sanierungsbedarfs.
