In den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich die Stimmung angesichts eines erwarteten Wirtschaftsaufschwungs weiter verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo-Instituts kletterte im September auf 89,9 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2023. Nach 88,8 Zählern im August stieg der ifo-Index damit zum fünften Mal in Folge. »Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Erholungskurs fort«, erklärte ifo-Chef Clemens Fuest. Zuvor hatten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten bekannt gegeben, dass für 2026 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent gerechnet werde.
Erwartet worden war ein Anstieg um die 89,0 Punkte. Dass die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen an die Zukunft besser bewerteten, passe »in ein Konjunkturbild, welches sich zunehmend aufhellt«, erklärte der Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, Jens-Oliver Niklasch. In den letzten Monaten habe der Auftragsbestand deutlich zugelegt, das mache sich nun in der Breite bei den befragten Unternehmen bemerkbar.
Für den Geschäftsklimaindex befragte das ifo-Institut rund 9.000 Führungskräfte von Unternehmen aus verschiedenen Branchen.
Ökonomen überrascht von positivem Geschäftsklima
Im verarbeitenden Gewerbe und besonders in der Elektrobranche zeigte sich ein verbessertes Geschäftsklima. Dort blickten die Unternehmen »deutlich besser« in die Zukunft, während die aktuelle Lage etwas schlechter eingeschätzt wurde. Mit dem Auftragsbestand war die Branche eher unzufrieden – vor allem die Autoindustrie bewege sich weiter auf »schwierigem Terrain«, teilte das Institut mit.
Im Dienstleistungssektor sowie im Handel wird die aktuelle Lage etwas besser bewertet. Zwar stiegen auch die Erwartungen, besonders die Händler waren angesichts der wachsenden Inflation jedoch zurückhaltender. Im Bauhauptgewerbe blieb die Stimmung nahezu gleich. Dort läuft der Bereich Tiefbau – also Straßen, Tunnel oder Eisenbahnschienen – besser als der Hochbau, der etwa Hochhäuser, Bürogebäude oder Wohnhäuser umfasst.
Mehrere Ökonominnen blickten überrascht auf die neuen ifo-Zahlen. Trotz widriger Umstände wie der Krise im Nahen Osten und der hohen Energiepreise erweise sich die deutsche Konjunktur als widerstandsfähig, sagte etwa Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Als Hauptursache sah er eine dennoch kräftige Weltkonjunktur und eine Erholung in den Dienstleistungssektoren. Die von der Bundesregierung angekündigten Reformen trügen hingegen nicht viel zur Verbesserung bei: »Die Wirtschaftsreformen sind mittlerweile so weit zerredet, dass sie als Stimmungsaufheller nicht mehr viel taugen«, sagte Kater.
