
Wie bei jedem Goldrausch gibt es nur wenige Gewinner. Und die haben nur aus einem Grund gut verdient: Sie wissen, wie man naiven Schatzsuchern die Ersparnisse aus den Taschen fingert. Etwa so wie der Großvater von Donald Trump, der Ende des 19. Jahrhunderts im amerikanischen Nordwesten Bordelle für Durchreisende auf dem Weg zum Klondike betrieb.
Das moderne Gegenstück zu diesem Geschäftsmodell bieten Großereignisse im Sport wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Der Fußballweltverband FIFA rechnet im Sommer in Nordamerika mit sechs Milliarden Euro Gewinn, einem saftigen Plus im Vergleich zum Ergebnis von Qatar vor vier Jahren. Die Gegenleistung für die Ausrichter? Das Blaue vom Himmel: Allein die USA würden im Trio der drei Ausrichter-Länder des Turniers mit 48 Teams fast 30 Milliarden Euro an zusätzlicher wirtschaftlicher Aktivität verzeichnen.
Solche Behauptungen wurden von seriösen Wirtschaftswissenschaftlern schon häufig als pure Propaganda kritisiert. Diesmal braucht man keine Analyse von Experten. Die Darstellung wird im Alltag als Phantasie entlarvt. Fluggesellschaften und Hotelketten mussten bereits ihre Auslastungsprognosen nach unten korrigieren. Denn von den einst angekündigten 1,2 Millionen Fußball-Touristen aus aller Welt werden viele zu Hause bleiben.
Warum? Unter anderem, weil FIFA-Friedenspreisträger Donald Trump Einreiseverbote für Fans der Teilnehmerländer Iran und Haiti sowie Kautionszahlungen in Höhe von 15.000 Dollar (12.740 Euro) für Besucher aus fünfzehn afrikanischen Ländern verhängt hat. Darunter WM-Nationen wie Algerien, Elfenbeinküste, Kap Verde, Senegal und Tunesien. Obendrein: Massive Aufschläge für Visumgebühren treffen alle Ausländer. Nicht zu reden von Befürchtungen über eine unfreundliche Behandlung bei der Grenzabfertigung und rund um die Veranstaltungsorte. All das „jagt internationale Fußballfans weg“, schrieb die „New York Times“ vor wenigen Tagen.
„Keinen einzigen Dollar“
Das Defizit müsste sich in einem Land mit 340 Millionen Einwohnern ausgleichen lassen. Aber nur, wenn amerikanische Fußballfans bereit sein sollten, exorbitante Eintritts- sowie stark gestiegene Hotelpreise zu bezahlen; sowie Extras wie 100 Dollar (95 Euro) für eine Rückfahrkarte mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa für den Trip zum Metlife-Stadion in Rutherford/New Jersey, Austragungsort von acht WM-Spielen. Darauf könnte es hinauslaufen, denn die FIFA sieht keinen Grund, etwas von ihrer Milliardenbeute abzugeben.
Man speiste die frisch gewählte Gouverneurin von New Jersey, dem Bundesstaat, in dem der 80.000 Zuschauer fassende Kasten steht und in dem acht WM-Spiele stattfinden werden, barsch mit dem Hinweis auf existierende Verträge ab. Sie hatte in sozialen Medien laut geklagt, dass die Organisation „keinen einzigen Dollar“ zu den Kosten von umgerechnet rund 40 Millionen Euro für den Service des vom Steuerzahler bezuschussten Nahverkehrsunternehmens New Jersey Transit beisteuert.
Ihre Meinung? „Die FIFA sollte dafür bezahlen.“ Falls sie es nicht tue, dann müssten das die Besucher der Spiele übernehmen. Eine respektable Ansage und ein ideales Druckmittel im Kampf um die Deutungshoheit rund um die Frage: Wer zieht eigentlich wen über den Tisch? Und vermutlich die einzige Sprache, die FIFA-Chef Gianni Infantino versteht.
