Mit Spaten, Malerspachtel und Knieschoner: Mehrere Dutzend Leipziger haben dabei geholfen, die Hitzeschäden an den vielen Straßenbahnschienen in der Stadt zu beheben. Der Straßenbahnverkehr in der sächsischen Großstadt liegt seit Tagen nahezu lahm.
Die Verkehrsbetriebe (LVB) hatten die Bevölkerung um Hilfe gebeten. „Leipzig hält zusammen. Jetzt brauchen wir euch“, hatte die LVB auf ihrer Facebook-Seite geschrieben. Es kamen weit über 50 Frauen und Männer, um die aus den Fugen gelaufene Masse von den Gleisen zu kratzen.
„Ich habe kein Auto, bin auf den ÖPNV angewiesen und will, dass die Linie 15 schnell wieder fährt“, sagt Stefan aus Leipzig-Grünau. Er steht schon eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Termin an den Gleisen und kratzt mit einem herkömmlichen Malerspachtel die Schienen frei. Schnell merkt er, dass es eine Sisyphusarbeit ist: Trotz großer Kraftanstrengung schiebt er die zähe, schwarze Masse eher schlecht als recht von den Schienen.
Was war passiert?
Die extreme Hitze mit Temperaturen um 40 Grad hatten den Angaben der LVB zufolge an vielen Stellen im Straßenbahnnetz dafür gesorgt, dass Fugenmasse für Asphalt und Beton aufgeweicht wurde. „Die Straßenbahnen haben die Masse dann herausgedrückt und mit ihren Rädern auf die Schienen verteilt und in die Weichen gedrückt“, erläutert Stefan Röll von der LVB. Aus Sicherheitsgründen wurde der Straßenbahnbetrieb zunächst komplett eingestellt.

Bis zu fünf Millimeter dick ist die Bitumenschicht auf den Gleisen. Röll schätzt, dass etwa zehn Prozent des gut 304 Kilometer langen Gleisnetzes betroffen sind. Zudem müssten rund 60 verklebte Triebwagen gereinigt werden.
Wie gehen die Verkehrsbetriebe nun vor?
Seit dem Wochenende arbeiten laut LVB rund 50 Mitarbeiter rund um die Uhr. Bei den körperlich sehr anstrengenden Arbeiten helfen auch Beschäftigte aus anderen Bereichen, etwa von Stadt- und Wasserwerken. Aber die Schäden sind immens und neu, sodass es noch keine sichere Technik gibt, mit der die Masse von den Schienen befreit werden kann.
Die freiwilligen Helfer erhalten Spachtel, Warnwesten und Knieschoner von der LVB, schultern einen Spaten und gehen nach einer kurzen Einweisung zu einem bestimmten Straßenabschnitt. Die Polizei sperrt den Bereich ab. Mit Schweißbrennern werden die Kratzwerkzeuge angewärmt. Die Helfer schaben dann die Masse von den Schienen. An besonders hartnäckigen Stellen gehen sie auf die Knie, kratzen den Bitumen aus den Ritzen und werfen ihn in Eimer. Das ist extrem harte und mühsame Arbeit – und nach einigen Minuten sind sie lediglich einige Zentimeter vorangekommen.
