
Was die Zukunft bringt und wie das alles weitergehen soll? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich Künstler ja eigentlich ganz gerne. Nicht aber, wenn der eigene Betrieb – im konkreten Fall: die 2008 am Zollhafen eröffnete Kunsthalle – zur Disposition steht. Dabei ist es den Stadtwerken nicht vorzuwerfen, dass sie sich aus dem Leuchtturmprojekt allmählich zurückziehen wollen: weil das am Rheinufer entstandene neue Stadtquartier genügend eigene Strahlkraft zu entfalten scheint; und weil die bis dato schon für die Kunsthalle eingezahlten mehr als zehn Millionen Euro von Anfang an nur dafür gedacht waren, den Immobilienverkauf am Rheinufer anzukurbeln. Kritik muss sich das kommunale Unternehmen allerdings dafür gefallen lassen, dass es zu lange versäumt wurde, notwendige Strukturänderungen, etwa mit Blick auf die Trägerschaft, vorzubereiten. Damit auch in Zukunft noch zeitgenössische Werke und Positionen im alten Kesselhaus des Zollhafens präsentiert werden können.
Kein Mainzer Mäzenatentum
Wie schon beim mitten im Umbau steckenden Gutenberg-Museum tut sich die finanziell wieder streng limitierte Landeshauptstadt erkennbar schwer damit, ihre kulturellen Vorzeigeprojekte selbst ausreichend zu finanzieren. Und leider ist Mainz auch nicht für ein ausgeprägtes Mäzenatentum bekannt. Dass es dann nicht selten die Stadtwerke richten sollen, die aktuell auch die Sanierung des Taubertsbergbades stemmen müssen, kann nicht die Lösung sein. Vor allem weil das im Wettbewerb stehende Versorgungsunternehmen selbst genug mit den Kosten für die Energiewende und dem jährlich auszugleichenden Nahverkehrsdefizit zu tun hat.
Aktuell bleibt nur zu hoffen, dass es Stadt, Land, Stadtwerken und der Stiftung Kunsthalle in den nächsten Wochen gelingt, sich auf ein tragfähiges Zukunftskonzept für den wichtigen Mainzer Ausstellungsort zu einigen. Zu finden ist zudem ein passendes Leitungsteam für das Haus, das in der Vergangenheit weit über die Stadtgrenze hinaus gestrahlt hat.
Der nun eingeschlagene Weg, mit ohnehin schon vorbereiteten günstigen Ausstellungen wie der gleich nach der Sommerpause angekündigten Schau „Freund*innenschaft“ ein wenig Zeit zu gewinnen, ist bestimmt nicht verkehrt. Nur müssen die Verantwortlichen, vor allem die Vertreter der Stiftung, schon sehr hartnäckig dranbleiben: wenn sie innerhalb eines Jahres ein Trägerschaftsmodell finden wollen, das dazu taugt, die Kunsthalle mit ihrem markanten, um sieben Grad geneigten Ausstellungsturm, die jetzt selbst in Schieflage ist, möglichst bald wieder aufzurichten und neu auszurichten.
