Paulina Meenken und Thomas Scheller planen ihre Zukunft in einem Fachwerkhaus in der Altstadt von Kronberg im Taunus, das sie selbst saniert haben. Nun wurden die beiden und Paulinas Eltern an diesem Donnerstag auch noch mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Darüber entschied eine Jury, die im Frühsommer durch Hessen gereist ist und insgesamt neun Objekte begutachtet hat, die es aus 19 Bewerbungen in die engere Auswahl geschafft hatten.
Die Begutachtung in Kronberg war an einem Nachmittag im Juni. Das lief so ab: Iris Meenken, Paulina Meenkens Mutter, führt die Vertreter von Denkmalbehörden, Handwerk und Stiftern durch die Räume. Die Kronbergerin und ihr Mann Matthias Meenken haben das Haus von 1689 im Jahr 2023 gekauft und es seitdem fast drei Jahre lang saniert, zusammen mit der Tochter und deren Freund.
„Jeder von uns vieren hatte seinen Schwerpunkt“, sagt Matthias Meenken. Er selbst, bei einer Frankfurter Großbank in der Informationstechnologie tätig, habe sich um das Grobmotorische gekümmert. Zum Beispiel um das Ablacken von Flächen. Seine Frau, Bankangestellte im Vorruhestand, verputzte Wände, wählte Farben aus, strich mit einem Quast.
Die 30 Jahre alte Tochter sagt, als angehende Haupt- und Realschullehrerin komme sie eher aus einem akademischen Umfeld. „Man lernt, gemeinsam mit den Handwerkern zu arbeiten.“ Einen Metallbauer brauchte die Familie nicht, denn Meenkens zehn Jahre älterer Freund Scheller ist selbst einer. Stattdessen kamen Fliesenleger, eine Dachdeckerin, Elektriker und ein Zimmermann ins Haus Hembus.
Metzgerei im Erdgeschoss
Das Gebäude mit der Fassade aus Balken in Rotbraun, Zwischenräumen in Weiß und weiteren Elementen in Dunkelgrün trägt den Namen einer Familie, die sich 1711 in Kronberg niederließ – jedenfalls laut der Inschrift im Türsturz. Iris Meenken zeigt den Raum, in dem durch einen Seiteneingang vermutlich Rinder geführt und dann direkt im Erdgeschoss getötet und verarbeitet wurden: Die Familie betrieb eine Metzgerei mit Laden und hatte eine Lizenz zum Schlachten, wohnte zugleich aber auch in dem Haus. Als der letzte Metzger 1923 starb, öffnete die Witwe einen Feinkostladen im Haus.

Die Meenkens haben die Immobilie von einem Bekannten erworben, der sie wiederum von den Nachfahren der Metzgerfamilie übernommen hatte. Jahrelang hatte Haus Hembus leer gestanden – bis Paulina Meenken und Thomas Scheller an der Wohnungssuche in ihrer Heimatstadt verzweifelten. Da habe der Vorbesitzer sie auf eine Idee gebracht. Paulina Meenken und ihr Freund werden, wie sie erzählen, zur Miete bei ihren Eltern einziehen.
Erst einmal aber folgte viel Arbeit. Zunächst hob Matthias Meenken eine Jauchegrube aus. Anschließend galt es, das Tragwerk von Feuchtigkeit zu befreien und Eichenbalken instand zu setzen. Die Familie dämmte die Innenwände mit Schilfrohr, restaurierte Treppen, Türen und Böden, ließ das Dach mit Biberschwanzziegeln decken. Schließlich hieß es, die Toiletten, das Bad, die Küche und überhaupt die moderne Haustechnik so einzubauen, dass die historische Substanz nicht litt. Etwa 70 Prozent der Arbeit, schätzt Iris Meenken, habe die Familie selbst erledigt.
Die Jury hat 40 Minuten je Objekt vorgesehen. Von den insgesamt 32.500 Euro Preisgeld stiftet die Lottogesellschaft Hessen 25.000 Euro, die Hessische Staatskanzlei gibt 7500 Euro für die Kategorie Ehrenamtspreis.
Matthias Meenken stellt sich im Gespräch selbst die Frage, ob er die Arbeit, Kraft und Mühe noch einmal auf sich nehmen würde. Offensichtlich ist sie rhetorisch, denn der Hausbesitzer beantwortet sie ebenfalls selbst mit den Worten: „Wenn ich dazwischen vier, fünf Wochen Urlaub machen könnte: Ja.“
