Eine Frau mittleren Alters betrifft mit einigen Freundinnen das Geschäft im Haus Wettergasse 17 in der Marburger Oberstadt. Sie stöbert ein bisschen in der gut bestückten Auslage und greift sich eine rundliche Bürste. Sie zieht die Augenbrauen hoch: Wofür dieses Stück wohl gut ist? Diese Frage steht ihr ins Gesicht geschrieben. „Die ist für Blumentöpfe“, sagt die Verkäuferin. Damit kriegen Sie die Erde ganz leicht aus einem Topf heraus.“ Wer viele Blumentöpfe habe, wisse das Produkt zu schätzen, fügt sie hinzu. Die Freundinnen lachen, aber eine Frau aus der Runde schaut sich das Teil dann doch näher an. Eine Hobbygärtnerin womöglich.
Derweil sucht ein Kunde eine Schuhbürste. „Eine Glanzbürste?“ Kopfschütteln. Nein, eine, um die Schuhe zu säubern. Im Handumdrehen findet sich in einem der Regale ein geeignetes Produkt. Wo, wenn nicht in diesem Geschäft? Es gehört der Marburger Familie Hintz, den letzten Bürstenmachern in Hessen. Die Familie betreibt Läden auch in Fulda und im Hessenpark, zudem verkauft sie ihre Bürsten auf Märkten und Veranstaltungen wie etwa während des Jugendstilfestivals in der Trinkkuranlage in Bad Nauheim.
„Hintz hat die größte Auswahl an Bürsten in Deutschland“
Die Verkäuferin erweist sich als wandelndes Bürstenlexikon. Nur bei einer Frage kommt sie etwas ins Straucheln. Wie viele verschiedene Bürsten denn Hintz auf Lager habe? Sie ruft kurzerhand den Seniorchef an. Es sind „etwa 800“. Damit bietet der Familienbetrieb nach eigenen Angaben die größte Auswahl an Bürsten in Deutschland in einem Ladengeschäft an. Allerdings komme nicht alles aus der eigenen Werkstatt.

Zum vielfältigen Angebot gehören: aus Naturfasern hergestellte runde Topfbürsten mit Holzgriff und Gesicht (6,90 Euro), daneben liegen ovale Gemüsebürsten aus Naturfasern zum gleichen Preis, darunter Scheuerbürsten nebst Schabkante mit langem Holzgriff für 10,90 Euro. Mit Rosshaar bestückte Wechselkopf-Spülbürsten gibt es für 4,90 Euro. Freunde der gewissenhaften Schuhpflege können zu einer Mini-Wildlederbürste mit Messingborsten (5,90 Euro) greifen, zu einer Glanzbürste mit Rosshaar für 13,90 Euro oder auch zu einer Nubuk-Lederbürste mit Kautschuk für 11,90 Euro, je nach Bedarf.
Als Bestseller gelten Staubbürsten aus Ziegenhaar für 49,90 Euro. Kleiderbürsten aus Birnbaumholz gibt es ebenfalls, dazu Pilzmesser mit Borsten und Nagelbürsten aus Olivenholz mit Naturborsten. Der Preis von 14,90 Euro für eine kleine Nagelbürste mag manchen Kunden abschrecken. Aber die Verkäuferin schwört: „Die sind Qualität und halten ewig.“ Schöner als eine billige Plastikbürste aus dem Supermarkt sind sie ohnehin und nicht zuletzt made in Germany. So wie alle anderen Produkte in diesem Laden, die Borsten haben. Hintz verfügt, so scheint es zumindest, über Bürsten für jede erdenkliche Anwendung. Bürstchen für die Puppenstube inklusive. Auch die angebotenen Korbwaren sind hierzulande geflochten worden. Erkennbar aus dem Ausland, vorzugsweise aus Frankreich und Italien, kommen dagegen die Luxusseifen.
Wer ein Mitbringsel sucht, wählt vielleicht ein Stück Seife für die Gästetoilette, das mit 2,90 Euro das günstigste Produkt im Laden ist. Wer etwas Exklusives sucht, wird auch fündig: 869 Euro kostet ein Rasier-Set aus Sterlingsilber und Mooreiche im Griff.
