
Die Zahl wurde in der Baubranche als Hoffnungssignal gesehen: In ganz Deutschland ist die Zahl der genehmigten Wohnungen im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gestiegen. Anders sieht es allerdings in Hessen aus. Hier ist von einem Aufschwung auf dem Wohnungsmarkt nichts zu spüren. Wie das Statistische Landesamt in Wiesbaden mitteilte, wurden im Februar 1130 Wohnungen genehmigt; das sind nur 1,7 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Die meisten Genehmigungen, 268, wurden in Frankfurt erteilt, gefolgt von Wiesbaden (131) und dem Landkreis Offenbach (121).
Nach drei Jahren des Rückgangs war 2025 die Zahl der Baugenehmigungen in Hessen um rund 22 Prozent gestiegen. Allerdings lagen die Zahlen immer noch um 40 Prozent unter denen von 2021. In den Städten und Kreisen war die Entwicklung sehr unterschiedlich. Während in Frankfurt ein Plus von 38 Prozent und im Main-Taunus-Kreis sogar eine Zunahme um 81 Prozent verzeichnet wurde, steht in Wiesbaden unterm Strich ein Minus von 25 Prozent.
Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, spricht angesichts der zuletzt auf niedrigem Niveau stagnierenden Genehmigungszahlen von einer „fatalen Perspektive für alle, die dringend eine bezahlbare Wohnung suchen“. Hessen sei eines der wirtschaftsstärksten Länder; es könne nicht der Anspruch sein, bei den Baugenehmigungszahlen mehr als 20 Prozentpunkte hinter dem Bundestrend zurückzubleiben.
Bauen droht noch teurer zu werden
Die Zahl der Baugenehmigungen ist normalerweise ein Frühindikator für die Baugenehmigung der nächsten Monate und Jahre. Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Landesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, weist aber darauf hin, dass die jetzt erteilten Baugenehmigungen bereits vor dem Irankrieg beantragt wurden. „Durch die gestiegenen Bau- und Transportkosten, aber auch durch höhere Zinsen und Inflation ist es nicht sicher, dass auch wirklich gebaut wird“, sagte er bei einer Veranstaltung des Verbands in Frankfurt. Selbstnutzer und Anleger seien verunsichert. Die niedrigen Wachstumsprognosen bedeuteten für Bauträger nichts Gutes. Projekte würden weiter verschoben.
Auch Tausendpfund fürchtet, „dass die Trendwende abgewürgt wird, bevor sie richtig begonnen hat“. Bauen drohe noch teuer zu werden. Thomas Reimann, Präsident des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen, nannte beim „Immotalk“ seines Unternehmens Alea dazu Zahlen: Allein im März seien die Großhandelspreise um 4,1 Prozent gestiegen. Besonders drastisch sei der Anstieg bei Energie und Rohstoffen.
„Gerade jetzt müssen wir Auflagen, Gesetze und Vorschriften massiv reduzieren“, fordert Reimann. Zudem müssten Genehmigungsprozesse beschleunigt werden. „Wenn wir das nicht tun, gefährden wir den ohnehin schon schwachen Wohnungsmarkt zusätzlich.“ In Hessen sieht er erste positive Effekte durch die beiden sogenannten Baupakete, mit denen Vorschriften und Bürokratie abgebaut wurden. Das Tempo müsse aber gehalten werden, „denn wir haben nicht mehr viel Zeit, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen“.
Ähnlich argumentiert Lipka. Auch er lobt die Reformbemühungen der Hessischen Landesregierung. „Aber an einigen Stellen hätten wir uns noch mehr Mut gewünscht.“ Als konkretes Beispiel nannte er die Vorschriften für den Bau von Parkplätzen. „Wir bauen weiterhin Tiefgaragen, die gerade in Städten oft gar nicht gebraucht werden – die Kosten dafür schlagen sich direkt auf die Mieten nieder.“ Nach Ansicht Lipkas muss jetzt zügig ein drittes Reformpaket mit „spürbaren Entlastungen“ für den Wohnungsbau auf den Weg gebracht werden. Eine Expertenkommission erarbeitet dazu bereits Vorschläge.
