Drei Tage lang gehörte Palermo nicht den Palermitani, sondern gewissermaßen einer fremden Macht. Die 30 Jahre alte britische Sängerin (mit kosovarisch-albanischen Wurzeln) Dua Lipa und der sechs Jahre ältere britische Schauspieler Callum Turner haben von Freitag bis Sonntag in der sizilianischen Metropole ihre Hochzeit gefeiert. Mit mehr als 200 Gästen aus dem internationalen Show- und Modegeschäft, unter ihnen Donatella Versace, die Sängerinnen Charli xcx und Olivia Dean, dazu Elton John und Madonna.
Nicht alle Leute in Palermo und dem Nachbarort Bagheria, wo am Samstagabend in der spätbarocken Villa Valguarnera die große Party stattfand, waren über den VIP-Auflauf und den damit verbundenen Rummel glücklich. Mancher beschwerte sich über die Sicherheitsmaßnahmen, durchgesetzt von Polizei und Carabinieri sowie von privaten Security-Leuten. Andere sahen sich an Zeiten erinnert, als die sizilianische Mafia-Organisation Cosa Nostra die Insel Sizilien und die Hauptstadt Palermo wie ihr Privateigentum behandelte. Nicht umsonst ist Palermo der Ort, an dem die Mafia 1992 mit den Morden an den Anti-Mafia-Ermittlern Giovanni Falcone und Paolo Borsellino dem italienischen Staat den Krieg erklärt hatte.

Diesen Krieg gegen die Institutionen hat der italienische Staat gewonnen, auch wenn der Kampf gegen das organisierte Verbrechen bis heute fortdauert. Bei der britischen Presse, deren Reporter über die „Hochzeit des Jahres“ aus Sizilien berichteten, ist das noch nicht überall angekommen. Das Boulevardblatt „The Sun“ warf den Brautleuten und deren Gästen vor, sie hätten eine Hochzeit im „Mafia-Chic“ zelebriert. Der seriösere „Telegraph“ betitelte Bagheria gar als „Mafia-Nest“, musste die rufschädigende Schlagzeile nach Protesten aus dem Rathaus der rund 15 Kilometer östlich von Palermo gelegenen Vorstadt dann aber in „ehemaliges Mafia-Nest“ ändern.
Die Villa Valguarnera hat mit der Mafia nichts zu tun
Tatsächlich ist nichts falscher, als ausgerechnet die Villa Valguarnera mit der Cosa Nostra in Verbindung zu bringen. Die gegenwärtige Besitzerin, die Orientalistin, Schriftstellerin und Tolkien-Übersetzerin Vittoria „Vicky“ Alliata di Villafranca e Valguarnera, ist seit je eine unerschrockene Kämpferin gegen die Cosa Nostra. Dass sie für die Vermietung ihrer prächtigen, aber eben auch instandhaltungsintensiven Villa pro Tag 50.000 Euro verlangt, kann man ihr kaum vorwerfen. Im vergangenen Jahr wurde in den Räumen und auf dem Gelände die sechsteilige Netflix-Serie „Der Leopard“ gedreht, angelehnt an den Roman „Il Gattopardo“ von Giuseppe Tomaso di Lampedusa (1896 bis 1957) und zumal an dessen erste Verfilmung von Luchino Visconti aus dem Jahre 1963. Die Dreharbeiten dürften der 76 Jahre alten Besitzerin ein kleines Vermögen eingebracht haben. Der Zahlung von Schutzgeld an die Mafia hat sich Vicky Alliata aber immer widersetzt. Und Bernardo Provenzano (1933 bis 2026), dem Clanchef der Corleonesi und langjährigem Boss der Bosse, hat sie öffentlich die Stirn geboten.

Für den Bürgermeister von Bagheria, Filippo Tripoli, ist der Fall mit den Mafia-Anspielungen klar: „Genug der Kontroversen. Meinetwegen können wir hundert Hochzeiten wie diese pro Jahr ausrichten.“ Das würde die Wirtschaft, namentlich den Fremdenverkehr, ankurbeln. Doch dazu dürfte es vorerst nicht kommen. Palermo und schon gar Bagheria sind als italienische Hochzeits-Destinationen noch lange nicht so hoch im Kurs wie Florenz (Kim Kardashian und Kanye West, 2014) oder gar Venedig (Amal Alamuddin und George Clooney, 2014; Ana Ivanović und Bastian Schweinsteiger, 2016; Lauren Sánchez und Jeff Bezos, 2025).
„Unsere Piazza ist nicht euer Wohnzimmer“
Fest steht, dass Dua Lipa und Callum Turner ein fabulöses Paar waren. Sie stets in klassischem Weiß, er überwiegend im legeren Beige. Die Gäste bunt und divers. Man ließ sich in Oldtimern und zeitgenössischen Luxuslimousinen (Maybach) kutschieren. Im Garten der Villa Valguarnera intonierte Elton John für das Brautpaar und die Gäste seinen Klassiker „Your Song“.

Proteste gegen die temporäre Promi-Belagerung Palermos und Bagherias gab es auch. „Palermo ist nicht zu mieten“ und „Unsere Piazza ist nicht euer Wohnzimmer“ stand auf Plakaten, die eine Bürgerinitiative an Hauswände geklebt hatte.
Die Trauung im kleinen Kreis hatte schon am Sonntag zuvor im alten Rathaus des Londoner Stadtteils Marylebone stattgefunden. Für die dreitägigen Feiern auf Sizilien, einschließlich Unterbringung in drei Luxushotels in Palermo, sollen die Brautleute nach italienischen Medienberichten mindestens vier Millionen Euro ausgegeben haben. An die Mafia ist davon eher nichts geflossen.
