DIE ZEIT: Hartmut Rosa, was
denken Sie angesichts des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt?
Hartmut Rosa: Auf dieses
Desaster, so muss man das Wahlergebnis ja nennen, sind wir seit sehr langer
Zeit zugesteuert. Es wirkte fast so, als ob wir uns gesellschaftlich auf einer
Art Tunnelfahrt befanden. Und vielleicht sind wir nun an einem Punkt, an dem
diese Tunnelfahrt enden kann.
ZEIT: Was meinen Sie damit?
Sollte die AfD nun regieren?
Rosa: Ich meine damit die
Hoffnung, dass die liberalen Kräfte aus ihrer Starre ausbrechen und es zu einer
demokratischen Erneuerung kommt. Und das würde bedeuten, dass sich wieder die
Vorstellung entwickelt, man könnte dieses Land gemeinsam kreativ gestalten. Gerade
im linksliberalen Lager, zu dem ich mich auch selbst zähle, war von solch einer
Gestaltungshoffnung lange nichts mehr zu spüren. Es herrschte stattdessen das
Gefühl vor, wir würden auf die Katastrophe zurasen. Und da die Katastrophe nun gewissermaßen da ist, könnte sie vielleicht einen Aufbruch erzeugen.
