Sein Ende ist heroisch (er stirbt durch ein Messer, das für einen anderen Helden bestimmt ist), er wird beweint und begraben: Der Tod von Dobby, dem Hauselfen, gehört zu den dramatischsten und schmerzhaftesten Momenten im daran nicht armen Kosmos der sieben Harry-Potter-Romane, der insgesamt 3402 eng bedruckte Seiten umfasst.
Es ist Harry, der eigenhändig Dobbys Grab schaufelt, „hinten im Garten zwischen Büschen“, und der nach der Beerdigung mit dem Zauberstab für die Inschrift auf dem Stein sorgt: „Hier liegt Dobby, ein freier Elf“.
Sklaverei? Nicht mit Hermine Granger
Das ist keine Kleinigkeit in der magischen Welt, die Joanne K. Rowling in ihren Romanen geschaffen hat, denn „freie“ Elfen sind, als die Geschichte einsetzt, dort eigentlich nicht vorgesehen. Dass Wesen wie sie eben zu dienen haben, von der Wiege bis zur Bahre, nehmen alle hin: junge wie alte Zauberer ebenso wie die Elfen selbst. Und als sich die kluge Hermine Granger dagegen auflehnt, indem sie sich tatkräftig für die Befreiung der Dienstboten aus ihrem Joch engagiert, wird sie zunächst von ihren Freunden dafür belächelt. Es bedarf ihrer beharrlichen Arbeit und auch des Beispiels des durch Harry Potter befreiten Dobbys, um dieses kollektive Bewusstsein zu ändern.

Dass es in Rowlings Werk vor allem anderen um Freiheit geht, um Teilhabe der Kleingehaltenen, um eine gerechte Gesellschaft, in der nicht mehr die Rüpel das Sagen haben, erschließt sich rasch. Weil aber die Schriftstellerin wegen ihrer späteren Äußerungen zu Transfrauen bei vielen ihrer Leserinnen und Leser mittlerweile in Ungnade gefallen ist, wird in Teilen des Publikums das Werk gegen die Urheberin gehalten und gern als eigenständig betrachtet, beinahe so, als gäbe es dafür keine Autorin.
Die Filme tun ein Übriges für diese Loslösung: Weil Dobby dort nicht zwischen Gartenbüschen, sondern am Strand von Pembrokeshire begraben wird, legen Potter-Fans an der gezeigten Stelle seit Längerem Steine nieder, zur Erinnerung an den Hauselfen. Eine Stromleitung, die just dort verlegt werden sollte, musste aufgrund von Protesten nun umgeplant werden, berichtet der „Guardian“. Statt des fiktiven Grabes bedroht der neue Verlauf der Trasse Richtung Irland nun echte Gräber aus der Bronzezeit. Es wäre schön, wenn sich das Vermächtnis des „freien Elfen“ nicht darauf beschränkte.
