Das Spiel beginnt mit einem Platzverweis. Als Freunde des HEBC die Straße vor Karstadt mit lilafarbener und weißer Kreide bemalen, das Vereinswappen in Übergröße zeichnen, kommt die Polizei. Und spricht einen Platzverweis aus. So sorglos darf in Deutschland niemand mit Straßenkreide randalieren.
„HEBC“ steht immer noch groß auf dem Asphalt der zentralen Kreuzung in Eimsbüttel, wobei der Regen etwas von der Pracht abgewaschen hat. Wer weniger vergängliche Hinweise auf den Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club und sein größtes Fußballspiel sucht, wird mit der Nase darauf gestoßen – die beliebte Stadtteilbäckerei hat ihre Filialen mit „Hanseaten“ in Lila und Weiß beliefert; sie sind ebenso süß wie die Standardware (in Rosa und Weiß).

In beiden Supermärkten ist Lila die dominierende Farbe – hier liegt die Aubergine im Mittelpunkt. Und wer etwas näher an die Spieltagsposter geht, die überall im Quartier hängen, liest: „Dortmunds Kader hat acht Nullen, unserer nicht eine.“ Wer als Amateurklub in der ersten Runde des DFB-Pokals einen großen Gegner zieht, kann sich auf 211.000 Euro vom Verband und einen unvergesslichen Tag freuen. Oder er kann sich professionelle Hilfe in Form einer Werbeagentur holen und den ganzen Stadtteil auf sich aufmerksam machen.
Für Letzteres entschied sich der Hamburger Oberligavertreter HEBC aus dem so bunten wie beliebten Eimsbüttel. „Wir wollen das Spiel am Dienstag nutzen, um bekannter zu werden“, sagt der Vorsitzende Konstantin Zimmermann.
Der Klub mit seinen 850 Mitgliedern steht im Schatten des Eimsbütteler Turnverbands (ETV) mit zahlender Kundschaft, die mehr als 20.000 Personen zählt. Der Platzhirsch greift mit professionellen Strukturen vieles ab. Der Kleine hechelt hinterher. Zimmermann sagt: „Wir haben festgestellt, dass wir in Eimsbüttel viel weniger bekannt sind, als wir dachten.“
Kult ist schön, Wachstum aber nötig
Das liegt auch an der beengten Lage der Vereinsheimat zwischen Häuserblocks, Kindergarten und Fahrradstraße. Wenn alle 500 Kinder und Jugendlichen des HEBC abends trainieren, muss der Professor-Reinmüller-Platz in Sechzehntel geteilt werden – viel mehr als Funino geht dann nicht. Eine „Tribüne“ mit handverlesenen Ehrenplätzen und ein kultiges, kleines Klubheim gibt es trotzdem, natürlich in den Vereinsfarben gehalten.
Kult ist schön und gut, Wachstum aber nötig, findet Zimmermann. Mit den Pokaleinnahmen soll das Vereinsheim renoviert werden, und eine bessere Idee, als den gegenüberliegenden Grandplatz nur in Ausnahmefällen zum Üben zu nutzen, ließe sich auch finanzieren – ihm schwebt eine Lösung mit Kleinfeldern und Eishockeytoren auf Kunstrasen vor. Da eine komplette Plastikgrasanlage mehr als 800.000 Euro kostet, müsste der fünftklassige HEBC am Dienstagabend (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) schon den BVB besiegen, um sich den Wunsch des zweiten Feldes zu erfüllen.
Kurzer Draht in den Volkspark
Dass auf dem „Reinmüller“ nicht gespielt werden kann, war dem HEBC schon nach dem 5:1-Sieg über den SC V/W Billstedt im lokalen Pokalendspiel Ende Mai klar. Als Zimmermann dann „ziemlich naiv“ zur Auslosung nach Dortmund reiste, erfuhr er dort, was der DFB so verlangt, ehe der erste Ball rollt. Allein die geforderte Abstellfläche für Übertragungswagen ist größer als der HEBC-Sportplatz: „Ohne die Hilfe des HSV hätten wir das gar nicht stemmen können.“
