
Der König ist tot, es lebe der König! Die alte französische Heroldsformel, die nichts anderes besagt, als dass ein Thron niemals leer, die Kontinuität der Monarchie ungebrochen ist, gilt auch in Norwegen. Noch vor einem Jahr hätte dieser Automatismus die meisten Norweger über den Verlust ihres überaus beliebten Königs Harald V. hinweggetröstet. Denn sie hätten einen neuen, nicht minder beliebten König gehabt. Doch Haakon VIII. blickt inzwischen in eine ungewisse Zukunft. Nur noch etwa 60 Prozent sehen laut den jüngsten Umfragen die Monarchie positiv, vor zehn Jahren waren es noch mehr als 80 Prozent.
Vor allem in diesem Jahr ging die Zustimmungsrate stark zurück, nachdem die unheilvolle Verbindung der neuen Königin Mette-Marit zu dem amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt wurde. Während das alte Königspaar nahezu so beliebt blieb wie eh und je, wurde dem Kronprinzen nahegelegt, am besten gleich zugunsten seiner Tochter Ingrid Alexandra auf den Thron zu verzichten. Haakon aber stand zu seiner Frau, die eine Mehrheit der Norweger zwischenzeitlich nicht mehr als Königin haben wollte.
Der König liebt das Meer
Haakon muss sich nun beweisen. Der Dreiundfünfzigjährige, der nach seinem Urgroßvater Haakon VII. benannt wurde, ist bestens auf sein Amt vorbereitet. Seit Jahren hat er seinen Vater, der immer wieder schwer erkrankt war, über Wochen und sogar Monate vertreten. Offiziell ist er nun das Staatsoberhaupt Norwegens, hat vorwiegend repräsentative und konstitutionelle Aufgaben. Theoretisch kann er gegen Beschlüsse der Regierung sein Veto einlegen, doch seit Haakon VII. hat sich der norwegische König nicht mehr direkt in die politische Entscheidungsfindung eingeschaltet.
Erst am Dienstag feierten Haakon und Mette-Marit ihre silberne Hochzeit. Die beiden haben zwei Kinder, Ingrid Alexandra und Sverre Magnus. Noch unter Haakons Großvater Olav V. war 1990 die Verfassung dahingehend geändert worden, dass Männer nicht mehr Vorrang vor Frauen in der Thronfolge haben. Deswegen ist Ingrid Alexandra, die Ältere, nun Kronprinzessin.
Haakon liebt die Natur und vor allem das Meer. Auch darum absolvierte er seine Militärzeit bei der Marine, er hat den Dienstgrad eines Admirals, ist aber auch General bei Heer und Luftwaffe. Nach der Schule studierte er Politikwissenschaften an der Universität von Kalifornien in Berkeley, es folgte ein Master-Abschluss in Entwicklungsstudien an der London School of Economics and Political Science mit dem Schwerpunkt internationaler Handel und Afrika. 1999 war er zudem eine Zeitlang als „Praktikant“ bei den Vereinten Nationen in New York.
Haakon lebte bisher mit seiner Familie auf dem königlichen Gut Skaugum in Asker, einem Vorort von Oslo. Dort hat er schon seine Kindheit verbracht. Nun aber wird das Königspaar wohl ins Königliche Schloss in Oslo ziehen, die offizielle Residenz und der Arbeitsplatz des Königs.
