
Eine Serie von Personalveränderungen im Top-Management erschüttert das Geschäft des Internetkonzerns Google mit Künstlicher Intelligenz. Demis Hassabis, ein Superstar in der KI-Szene, der 2024 den Nobelpreis für Chemie gewonnen hat, gibt seinen Posten als Vorstandschef von Google Deepmind auf, der KI-Sparte des Unternehmens. Er wird der Sparte allerdings in einer neuen Position als Vorsitzender des Verwaltungsrats verbunden bleiben, außerdem soll er Chefwissenschaftler des Google-Mutterkonzerns Alphabet werden.
Andere Manager verlassen den Konzern ganz. Jeff Dean, der bisherige Chefwissenschaftler von Google Deepmind, gründet zusammen mit drei anderen bisherigen Google-Managern ein eigenes KI-Unternehmen namens Discovery Loop. Dean ist ein Google-Veteran und kam schon 1999 als dreißigster Mitarbeiter zum Unternehmen. Er spielt seit Jahren eine prominente Rolle in Googles KI-Geschäft, 2011 hat er die KI-Sparte Google Brain gegründet. Sie wurde 2023 mit Deepmind zusammengeführt, seither stand Hassabis an der Spitze der KI-Aktivitäten.
Die Wechsel sorgten an der Börse für einige Unruhe: Der Aktienkurs von Alphabet fiel am Mittwoch um vier Prozent.
Hassabis sagte in einem Blogeintrag, er wolle sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, um sich künftig größere strategische Fragen zu konzentrieren. Die Führung von Google Deepmind wird der bisherige Technologiechef Koray Kavukcuoglu übernehmen. Anders als Hassabis wird er dabei sein offizieller Titel nicht Vorstandschef sein, sondern Senior Vice President. Er soll aber direkt an Alphabet- und Google-Vorstandschef Sundar Pichai berichten.
Die Veränderungen fallen in eine Zeit, in der Google im KI-Geschäft zwar einige Erfolge vorweisen kann, aber auch mit Schwierigkeiten kämpft. Der Konzern hat eine ganze Reihe von KI-Initiativen: Dazu zählen das KI-Modell Gemini mit zugehörigen Apps, KI-Angebote in der Google-Suchmaschine und im Geschäft mit Cloud Computing sowie eigene KI-Chips.
Mit seinen KI-Modellen hatte Google gegenüber den großen amerikanischen KI-Spezialisten Open AI und Anthropic zunächst Rückstand, hat dann aber Boden gut gemacht. Insbesondere die im vergangenen Herbst eingeführte Version Gemini 3 stieß auf positive Resonanz. Allerdings scheint Google gerade hier im Moment mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Gemini 3.5 Pro, eine neue Version des Modells, die der Konzern eigentlich schon für den Juni angekündigt hat, hat sich verzögert und ist noch immer nicht auf dem Markt. Das wirft die Frage auf, ob Google im Wettbewerb wieder etwas an Boden verloren hat.
