Die Chance, als Österreicher irgendwann vor Gericht über Schuld oder Unschuld eines Menschen entscheiden zu müssen, liegt ungefähr bei eins zu fünf. Jahr für Jahr werden rund 25.000 Menschen zwischen 25 und 65 Jahren nach einem Zufallsprinzip ausgewählt, als Schöffe oder Geschworener vereidigt und damit: als Laien zu Richtern. Sie entscheiden nicht über Bagatelldelikte, sondern, so sieht es das Gesetz vor, gerade wenn es um sehr viel geht. Mord, schwere Gewalt, politische Delikte. Aufsehenerregende Fälle.
Der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser etwa: von einem Schöffengericht erstinstanzlich verurteilt. Die Zukunft des ÖVP-Spitzenpolitikers August Wöginger: liegt auch in der Hand von Laien. Der größte Spionageprozess, den das Land seit Jahrzehnten gesehen hat: läuft gerade am Wiener Straflandesgericht, das Urteil werden Geschworene fällen.
