
Was sind schon 4,1 Millionen Euro für Unternehmen wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoft, die zu den größten der Welt gehören? Und was ist das für eine Summe im Vergleich zu den 220 Millionen Euro, die AWS jüngst an die kleine hessische Gemeinde Schöneck für nur ein weiteres Datacenter-Grundstück überwiesen hat? Genau: Es ist nicht allzu viel Geld, und es kommt von Unternehmen, die sich so ein freiwilliges Engagement gut leisten können.
Aber es wäre zu kurz gegriffen, die weltweit einmalige Zusammenarbeit der beiden Techriesen im hessischen Vogelsberg als Werbeaktion und preiswerten Versuch zur Besänftigung ihrer Kritiker abzutun. Man kann die Perspektive nämlich auch umdrehen: Es braucht offenbar keine Unsummen, um natürliche Ressourcen, die an einer Stelle verbraucht werden, an anderer Stelle wieder in den Kreislauf zurückzugeben.
Microsoft und AWS wollen Erfolg ihres Wasser-Projekts messen
Microsoft und AWS, so ist zu hören, haben mit der Akribie von Ingenieuren ausrechnen lassen, wie viel Wasser für ihre Aktivität in der Rhein-Main-Region notwendig ist – und sich dann auch versichern und nicht nur versprechen lassen, dass sich die Menge mit dem Vogelsberg-Projekt kompensieren lässt. Zwölf Jahre lang werden sie nachverfolgen, ob die prognostizierten Werte erfüllt werden.
Vielleicht ist das ein produktiverer Ansatz als die ständige Kritik am Verbrauch von Flächen, Strom und Wasser für die Hardware der digitalen Welt. Denn so wahr es ist, dass schon einzelne Gebäude mehr Strom brauchen als eine ganze Kleinstadt, so wenig lässt sich daraus eine Lösung ableiten: Internet- und Clouddienstleistungen sind für den Einzelnen wie für Wirtschaft und Gesellschaft unentbehrlich – und sie funktionieren ohne Rechenzentren nicht. Genauso wenig funktioniert es, nach mehr Resilienz, KI und Datensouveränität zu verlangen, aber das Ziel abzulehnen, die Rechenzentrumskapazität in Deutschland zu verdoppeln.
Das darf natürlich nicht zu jedem Preis geschehen und das Gebot, sorgsam mit Ressourcen umzugehen, ist eine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich ist der Gesamtstromverbrauch der Branche nicht in gleichem Maße gestiegen wie die Rechenkapazität. Und Wasser für die Kühlung wird auch nicht mehr so leichtfertig eingesetzt wie noch vor 15 Jahren. Beides sind einerseits Effekte einer strenger gewordenen Gesetzgebung, die Energieeffizienz bis zur Grenze des physikalisch Machbaren verlangt. Es sind aber auch die Wirkungen von Selbstverpflichtungen der Betreiber, die damit wiederum gegenüber ihren Kunden und Aktionären im Wort stehen.
Natürlich sind das Zahlenspiele, rund um das Rechenzentrumsgebäude liegen noch immer Pflastersteine, während der Biber anderswo planscht. Aber wenn alle Unternehmen oder wenigstens alle Datacenterbetreiber beginnen, ihren Verbrauch nach dem Beispiel der Amerikaner zu kompensieren, könnte sich nicht nur im Vogelsberg noch viel verändern.
