DIE ZEIT: Herr Höffe, wie gelingt es Ihnen, trotz der Krisen in der Welt gelassen zu bleiben?
Otfried Höffe: Die Gelassenheit besteht darin, die Nöte und Ängste nicht beiseitezuschieben, aber dennoch Herr seines eigenen Lebens zu bleiben. Dort, wo ich helfen kann, helfe ich. Doch wo ich es nicht kann, versuche ich, Abstand zu nehmen, ohne gleichgültig zu werden.
ZEIT: Zu viel Mitleid steht der Gelassenheit also im Weg?
Höffe: Mitleid motiviert uns zur Hilfe, die ja ganz unterschiedlich aussehen kann. Aber wenn wir als Einzelner nun wirklich gar nichts ausrichten können, ist es eine Frage der Klugheit, ob wir mit unserem Mitleid der Welt einen Dienst erweisen. Denn Mitleid ist auch eine Form des Leids.
