
Vor Beginn der Gedenkstunde zum 82. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler hat es am Montag in Berlin einen Zwischenfall gegeben. Im Ehrenhof des Bendlerblocks lief ein Mann nach vorne, nahm den in der Gedenkstätte neben anderen Kränzen platzierten Kranz der AfD-Bundestagsfraktion und rannte damit davon. Als ihn Sicherheitskräfte stoppten, kam es zu einem Handgemenge, sodass der Kranz zerstört wurde.
Bei dem Mann handelte es sich um Tobias Korenke, Großneffe des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Unter den Angehörigen der Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus gibt es seit etlichen Jahren Unmut darüber, dass auch AfD-Parlamentarier am Gedenken teilnehmen. Da die Bundesregierung Mitveranstalterin ist, werden die Abgeordneten aller Bundestagsfraktionen eingeladen.
Das „Spannungsfeld“ sollen „alle aushalten“
Die Gedenkstunde verlief anschließend ohne weitere Störungen. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hob in ihrer Ansprache den „außergewöhnlichen Mut“ der Widerstandskämpfer hervor. Dass es Menschen gab, die dem Nationalsozialismus widerstanden, sei für ihre Familie eine „wichtige Voraussetzung“ gewesen, „nach dem Krieg wieder Vertrauen in Deutschland zu fassen“. Prien stammt aus einer jüdischen Familie. Ihre Urgroßmutter wurde im Vernichtungslager Sobibor ermordet.
Die Ministerin sagte, die Bürger seien aufgefordert, „dafür zu sorgen, dass wir nie wieder in eine Situation geraten, in der solcher Widerstand notwendig wird“. Sie zeigte sich über die wachsende Polarisierung in der Gesellschaft besorgt. Es brauche „Orte, an denen Menschen miteinander streiten können, ohne sich zu Feinden zu machen“. Als Beispiele nannte sie Bibliotheken und Dorfkneipen.
Auf die Wegnahme des AfD-Kranzes ging Prien nicht ein. Der Vorsitzende der „Stiftung 20. Juli 1944“, Robert von Steinau-Steinrück, sagte der F.A.Z. nach der Feierstunde, er habe Verständnis dafür, dass Angehörige der Widerstandskämpfer den Kranz als „heuchlerisch und unerträglich empfinden“. Er kritisierte, dass die AfD das Andenken an den 20. Juli 1944 „instrumentalisieren“ würde. „Andererseits ist es auch eine Stärke des Rechtsstaates, dass es formale Regeln gibt“, sagte von Steinau-Steinrück mit Blick auf die Gästeliste. Dieses „Spannungsfeld“ müssten „alle aushalten“. Der Vorsitzende der Stiftung ist Enkel des Widerstandskämpfers Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg.
