Dass sich Lamine Yamal und Lionel Messi schon im Jahr 2007 trafen, also vor fast zwanzig Jahren, ist ein Prolog, den damals niemand erahnen konnte. Das Baby Lamine erst recht nicht, der seinerzeit 20 Jahre alte Fußballstar Messi auch nicht. Das Foto, das den Spanier in einer kleinen Badewanne mit dem Argentinier zeigt, ist schon jetzt ikonisch. „Es ist verrückt“, sagte Messi am Freitag. „Jetzt treffen wir in einem WM-Finale aufeinander.“
Das Foto wurde damals für einen Wohltätigkeitskalender gemacht. Mehrere Spieler des FC Barcelona posierten mit ausgelosten Kindern. Dass Yamal und Messi auf einem Foto zu sehen sind, war purer Zufall. Zufall ist es aber nicht, dass ihre Mannschaften, Spanien und Argentinien, an diesem Sonntag (21.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei MagentaTV) im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 aufeinandertreffen.

Schon „im Halbfinale standen genau die vier Mannschaften (Spanien, Argentinien, Frankreich und England/d. Red.), die auch vor Turnierbeginn die höchsten Titelchancen hatten“, sagt Memmert. „Natürlich gab es auf Einzelspielebene Überraschungen, viele Spiele auch, die möglicherweise enger verliefen als erwartet, bei denen sich aber am Ende doch der Favorit durchgesetzt hat.“ In den K.-o.-Runden waren Ergebnisse wie Norwegens Sieg über Brasilien oder das deutsche Ausscheiden gegen Paraguay nicht unbedingt zu erwarten. Dennoch: „Insgesamt waren große Überraschungen die absolute Ausnahme.“
Nicht nur der Titel, auch die Auszeichnung zum Spieler des Turniers wird an diesem Sonntag vergeben. „Auch diese Information lässt sich am Wettmarkt gut ableiten“, sagt Memmert. Der Favorit ist demnach Messi, auch wenn er persönlich für den Spanier Rodri votiert. „Beim besten Nachwuchsspieler geht es eindeutig in Richtung der beiden Spanier Lamine Yamal oder Pau Cubarsí.“ Wichtiger als Einzeltitel wird aber der goldene WM-Pokal sein.
An Spannung sollte es nicht mangeln im Stadion vor den Toren New Yorks. „Dass es vom Ergebnis her ein enges Finale wird, ist natürlich nicht sicher, aber recht wahrscheinlich“, sagt Wunderlich. „Zudem ist die erwartete Anzahl an Toren in solchen Finals vergleichsweise gering, die Chance ist also hoch, dass es bis zur letzten Minute spannend bleibt.“
Im Endspiel treffen die bestplatzierten Teams der Weltrangliste aufeinander. Argentinien ist in der Tabelle des Weltverbandes FIFA, die den Stand am 11. Juni, also vor WM-Start, zeigt, Erster, Spanien Zweiter. Bei den Marktwerten ist die Reihenfolge gedreht. Die spanischen Spieler sind durchschnittlich 46,92 Millionen Euro wert, die der Argentinier 31,06 Millionen Euro.
Das alles ergibt eine Siegwahrscheinlichkeit von 41,7 Prozent für Spanien; für den Weltmeister aus Argentinien sprechen 26,8 Prozent. Dafür, dass die Partie unentschieden endet, sprechen 31,5 Prozent. Sollte es so kommen, sind die Spanier in einer Verlängerung oder gar im Elfmeterschießen immer noch Favorit, mit einer Titelwahrscheinlichkeit von 58,5 Prozent. Dass Messi und Argentinien nach 2022 wieder jubeln, ist zu 41,5 Prozent wahrscheinlich.
Wer führt die WM-Prognose durch?
Daniel Memmert, Mathematiker, Professor und geschäftsführender Institutsleiter am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik, kennt insbesondere auch die psychologischen Tücken von Vorhersagen und konnte in eigener Forschung belegen, dass sich Experten dabei regelmäßig überschätzen. Daher empfiehlt er statt auf einzelne Expertenmeinungen lieber auf die Prognosen von datenbasierten Modellen zu vertrauen. Seine weiteren Arbeitsschwerpunkte liegen in der Bewegungswissenschaft (Kognition und Motorik), in der Sportpsychologie (Aufmerksamkeit und Motivation) sowie in der Sportinformatik (Big Data, ML, KI). Sein Institut kooperiert mit verschiedenen Fußball-Bundesligavereinen, Dax-Unternehmen und organisiert den ersten internationalen Weiterbildungs-Masterstudiengang „Spielanalyse“ sowie das Zertifikat „Sportdirektor im Amateur- und Nachwuchsleistungsfußball“.
Fabian Wunderlich, Mathematiker, hat mehrere Jahre im Sportwetten-Bereich gearbeitet und an der Deutschen Sporthochschule Köln zum Thema Vorhersagemodelle im Sport promoviert. Seine primäre Expertise liegt in der Anwendung von mathematischen und informatischen Verfahren auf Sportdaten und seine Forschungsschwerpunkte unter anderem in den Bereichen Vorhersagemodelle, Sportwetten, Wettquoten sowie Zufallseinflüsse im Sportspiel.
Gemeinsam haben sich beide in einem Übersichtsartikel mit Vorhersagemodellen im Sport befasst und in einer aktuellen Studie den hohen Zufallseinfluss im Fußball nachgewiesen, der letztendlich die Vorhersagen so schwierig macht. Darüber hinaus wissen sie, wie wichtig Wettquoten im Vorhersagebereich sind, und haben den Nutzen von Wettquoten für die Analyse von Leistungsstärken und in der Vorhersage von Fußballspielen untersucht. Weitere aktuelle Studien befassen sich mit der Frage, inwiefern Positionsdaten oder Social-Media-Daten Vorhersagemodelle für Fußballspiele verbessern können.
