Das Foto des jungen Lionel Messi und des noch viel jüngeren Lamine Yamal, das gerade auf allen Kanälen verbreitet wird, ist nicht neu. Es diente schon vor zwei Jahren nach dem spanischen EM-Triumph als Emblem für eine Generationenfolge im Weltfußball. Dass es aber noch einmal so aktuell werden würde, hätte kaum jemand gedacht. Es ist bei allem, was diese Weltmeisterschaft an Erwartbarem hervorgebracht hat, eine Überraschung, dass sich Argentinien und Spanien, Messi und Yamal, im großen Finale an diesem Sonntag begegnen.
Und dann auch wieder nicht. Denn auch wenn keine Fotos viral gehen, die Luis de la Fuente und Lionel Scaloni zusammen zeigen, steckt in diesem Motiv auch eine emblematische Botschaft dieser WM.
Während auf dem Spielfeld die Stars das Turnier dominiert haben wie selten zuvor, sind es auf den Trainerbänken die Normalos. Nicht die hochdekorierten Klubtrainer, die schon als Marken zu den Nationalmannschaften kommen und dabei manchmal zu viel wollen, weil sie nicht anders können. Und vielleicht könnte sich der Deutsche Fußball-Bund, der sich gerade dem selbst erklärten „Normal One“ an den Hals warf, doch zumindest kurz einmal auch mit dieser WM-Geschichte auseinandersetzen. Weil es vor allem auf die Idee ankommt.

Luis de la Fuente war der Ausbilder von Lionel Scaloni in der spanischen Trainerakademie, beide sind den Weg durch die Verbandsinstanzen gegangen, de la Fuente ein bisschen länger, Scaloni ein bisschen kürzer. Beiden hat es Argwohn mit auf dem Karriereweg gegeben, den Verdacht gebracht, nicht gut genug zu sein.
Über Scaloni sagte Diego Maradona einmal, dass er nicht einmal dazu tauge, den Verkehr zu regeln, wie das denn dann mit der Nationalmannschaft gehen solle. Nun, Scaloni verstand seine Arbeit so wie sein Lehrer de la Fuente darin, in erster Linie Diener einer Idee und seiner Spieler zu sein.
Mentalitätsmonster und Passtyrannen
Beide profitieren auch bei diesem Turnier davon, dass sie viele ihrer Spieler schon länger begleitet haben. Weil sie das offenkundig gut gemacht haben, schafft das Vertrauen. Fügt man dann noch die Zeit hinzu, die beide nun schon im Amt sind, versteht man, warum die beiden besten Teams auch – Messi hin, Yamal her – die am besten abgestimmten sind.
Der fußballerische Reiz dieses Duells ist aber noch ein anderer: Dass Scaloni und de la Fuente eine gemeinsame Zeit verbracht und ein besonderes Verhältnis entwickelt haben, auch weil sie unaufgeregte Zeitgenossen mit guten Umgangsformen sind, ihre Mannschaften aber völlig unterschiedliche Stile verkörpern, die in ihrer DNA verankert sind: die Mentalitätsmonster und die Passtyrannen.

De la Fuente hat es vielleicht ein bisschen leichter, er hat es mit einem maximal rationalen Stil und einer, zumindest was die Selección angeht, vergleichsweise sachlichen Fußballnation zu tun. Scaloni muss mit gewaltigen Kräften umgehen, mit der quasireligiösen Fußballverrücktheit eines ganzen Landes, die manchmal ins Chauvinistische changiert (Stichwort: Malvinas), und mit der gewaltigen Emotionalität seiner Spieler.
Die stand Argentinien manchmal auch schon im Weg, aber bei der vergangenen und bei dieser WM hat Scaloni es geschafft, hier eine ähnlich gute Balance zu halten wie die zwischen Messi und dem Team.
Es ist ein Duell, das Funken schlagen kann, und wenn man nüchtern darauf schaut, erscheint es ein bisschen wahrscheinlicher, dass das argentinische Modell auf eine Probe gestellt wird, die ihm nicht behagt. Aber selbst wenn Scaloni im Spiel gegen seinen Mentor auch seinen Meister findet: Das gemeinsame Bild der beiden wird ein würdiges Siegerfoto der WM.
