Nach dem Schlusspunkt durch Kapitän und Vorkämpfer Granit Xhaka fielen sich die Schweizer Nationalspieler lachend in die Arme. Durch das hart erarbeitete 4:1 (0:0) gegen Bosnien-Herzegowina hat die Auswahl von Trainer Murat Yakin wieder beste Aussichten auf die K.-o.-Phase der Fußball-WM. Die Unruhe der Tage nach dem schwächeren Remis zum Auftakt gegen Qatar dürfte vorbei sein.
Erst der eingewechselte Johan Manzambi vom SC Freiburg knackte die bosnische Defensive in der 74. Minute. Der ebenfalls eingewechselte Rubén Vargas (84.), abermals Manzambi (90.) und Granit Xhaka (90.+7/Foulelfmeter) sorgten für die weiteren späten Schweizer Tore. „Das ist wie ein Traum“, sagte Manzambi, „dass ich die WM spielen kann und dann zwei Tore schieße und ‚Man of the Match‘ bin. Heute kann ich sicher nicht schlafen.“
Die Schweiz geht nun mit vier Punkten ins letzte Gruppenspiel gegen Ko-Gastgeber Kanada. Bosnien, das von der 80. Minute an wegen einer Roten Karte für Tarik Muharemovic in Unterzahl spielte, hat mit nur einem Zähler aus zwei Spielen dagegen keine guten Aussichten mehr. Der ebenfalls kurz zuvor eingewechselte Ermin Mahmic (90.+3) erzielte den Ehrentreffer.
Bosnische Fans auf den Rängen klar in der Überzahl
Die Schweiz wurde ihrer Rolle als Favorit zwar gerecht, übernahm sofort die Spielkontrolle und kam auch rasch zu ersten Chancen, doch Dan Ndoye fehlte die Präzision im Abschluss für echte Torgefahr. Bosnien-Herzegowina hatte im hochmodernen Los-Angeles-Stadion vor 70.022 Zuschauern dafür akustisch auf den Rängen ein deutliches Übergewicht.
„Wir versuchen, das auf dem Platz zu regeln und nicht auf der Tribüne oder den Zuschauerrängen“, hatte der Schweizer Trainer Murat Yakin vor dem Spiel gesagt.
Volles Risiko vermieden beide Mannschaften, die Konstellation in der in alle Richtungen offenen Gruppe B spielte dabei wohl eine Rolle. Bis etwa 30 Meter vor dem Tor durften die Schweizer kombinieren, dann aber störte die Defensive um den Schalker Profi Nikola Katic konsequent und erfolgreich. Ndoye von Nottingham Forest war der Einzige, der es im Strafraum zu Abschlüssen brachte, der Versuch von Remo Freuler (23.) aus der Distanz stand symbolisch für die Schwierigkeiten der Eidgenossen.

Für das Team von Trainer Sergej Barbarez hatte Kapitän Edin Dzeko die erste Halbchance, nach 32 Minuten traf er aber im Strafraum den Ball nicht richtig. Als er in der 41. Minute wieder zum Abschluss kam, davor für seinen Geschmack aber zu lange auf den Ball hatte warten müssen, reagierte der Aufstiegsheld des FC Schalke 04 aufgebracht. Nach 62 Minuten war dann Schluss, für ihn kam Esmir Bajraktarevic von PSV Eindhoven. Kurz zuvor hatte erneut Ndoye die bis dahin spektakulärste Gelegenheit der Partie, sein Fallrückzieher in der 55. Minute klärte Torwart Nikola Vasilj aber zur Ecke.
Amar Dedic zwang BVB-Keeper Gregor Kobel in der 68. Minute dann zu einer Parade, nach der zweiten Trinkpause reagierte Yakin mit einem Dreifachwechsel und brachte Djibril Sow, Vargas und Manzambi. Der Freiburger war keine drei Minuten auf dem Platz, als er für die Führung sorgte. Erst trieb er den Ball selbst in den Strafraum und stand dann genau richtig, um mit einem satten Schuss aus elf Metern die Schweizer Fans glücklich zu machen.
In der Folge schwächte sich Bosnien-Herzegowina selbst. Muharemovic versuchte, den frei auf das Tor zulaufenden Embolo zu stoppen – und kam knapp zu spät. Die Rote Karte für die Notbremse war die richtige Entscheidung. Wenig später beseitigte Vargas mit seinem Tor alle Zweifel an dem Schweizer Sieg, ehe in einer unterhaltsamen Schlussphase noch drei weitere Treffer fielen.
