
Man muss davon ausgehen, dass Bastian Schweinsteiger die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches hat. Warum? Dranbleiben, Auflösung folgt. Aber vielleicht ist dieser Vergleich doch ein bisschen gemein, also für den Goldfisch. An der University of Plymouth haben Forscherinnen und Forscher herausgefunden, dass ein Goldfisch gut aufpassen und sich, anders als das Klischee das sagt, nicht nur drei Sekunden, sondern mindestens drei Monate erinnern kann.
So gesehen hat Schweinsteiger eigentlich sogar Glück, dass ihm nur Menschen zuhören und nicht Goldfische, die sich an sein klischeehaftes Gelaber erinnern könnten, weil sie wiederum das Glück haben, dass es unter Wasser noch kein Instagram und kein Tiktok gibt.
Ahnungsloser Experte?
„Ein bisschen unorthodox“, „ein bisschen wild“ und „vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt“ – das alles hat Schweinsteiger, der in den Fernsehübertragungen der ARD die Spiele dieser Fußball-Weltmeisterschaft analysieren soll, über die Elf der Elfenbeinküste gesagt. Wie aber sieht eine „unorthodoxe“ Spielweise eigentlich aus in einer globalisierten Fußballwelt, in der sich die Spielweisen so angenähert haben?
Kurzer Zwischenruf: Nein, Bastian Schweinsteiger ist nach allem, was man weiß (und man weiß nicht wenig), kein Rassist. Aber ja, er hat mit seiner sogenannten Analyse ein rassistisches Klischee wiedergegeben. Die interessante Frage in diesem Fall ist: Warum hat er das gesagt? Nun, der Verdacht liegt nahe, dass er das gesagt hat, weil er nicht wusste, was er sonst sagen soll.
Kurze Zwischenrechnung: 117.000 Euro – so viel verdiente ein Sportexperte der ARD in der Saison 2022/2023 im Durchschnitt. Das antwortete der Sender damals auf eine Anfrage. Und weil Schweinsteiger der Goldesel der ARD ist (oder ist die ARD sein Goldesel?) und mehr als der Durchschnitt verdienen dürfte, schickte der Sender eine Ein-Mann-Kavallerie, den Sportkoordinator Axel Balkausky, der sagte: „Bastian Schweinsteiger hat sich zu seinen Erwartungen des Spielstils der Mannschaft der Elfenbeinküste geäußert. Darin hat er seine Erfahrungen und Beobachtungen der letzten Spiele zusammengefasst.“
Mal abgesehen davon, dass Balkausky diese „Beobachtungen“ offenbar ausreichend für eine Fachsendung der ARD hält: Ja, er hat letzte „Spiele“ gesagt, im Plural, und weil das alles vor dem zweiten WM-Spiel der Elfenbeinküste vorgefallen ist, sagt Balkausky damit, dass Schweinsteiger sich mindestens ein Vorbereitungsspiel etwas genauer angesehen hat.
So, für alle, die drangeblieben sind, nun die Auflösung, warum man davon ausgehen kann, dass Bastian Schweinsteigers Aufmerksamkeitsspanne so kurz ist wie die eines Goldfisches mit Instagram-Account. Bei solchen Fernsehproduktionen werden für Kommentatoren, Moderatoren und auch Experten Dossiers von Menschen zusammengestellt, die viele Spiele geschaut haben. Man kann sich deswegen kaum vorstellen, dass in so einem Dossier über die Elfenbeinküste stand: „ein bisschen unorthodox“, „ein bisschen wild“ und „vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt“.
Das würde dann allerdings nahelegen, dass der Experte Schweinsteiger vor der Sendung nicht nur keine Spiele der Elfenbeinküste geschaut hat. Sondern dass er das, was die echten, die Spiele schauenden Experten für ihn zusammengestellt haben, vielleicht angelesen hat. Aber dann wieder vergessen.
