
Historisch fühlte sich die Hitzewelle der vergangenen Tage in Deutschland an. Und als „historisch“ hat sie nun auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) eingestuft. Das teilten die Meteorologen am Montag in Offenbach unter Berufung auf vorläufige Messergebnisse mit. Zwölf Tage herrschten hierzulande Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. In einigen Orten wurden in der Spitze gar mehr als 41 Grad gemessen.
So sei der Juni der zweitheißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen, so der DWD. Im Durchschnitt habe die Temperatur bei 19,5 Grad gelegen; nur 2019 sei es in Deutschland mit 19,8 Grad im Mittel noch wärmer gewesen.
Zwar sei der Monat in seiner ersten Monatshälfte „sogar leicht unterdurchschnittlich verlaufen“. Dennoch habe er wie „nie zuvor“ eine derart lange und extreme Hitzewelle hervorgebracht, so der DWD. An 46 Stationen seien Temperaturen von mehr als 40 Grad festgestellt worden. „Wie im letztjährigen Juni war das Saarland auch dieses Jahr das wärmste Bundesland.“ Mit einer Mitteltemperatur von 20,9 Grad war es der wärmste jemals gemessene Juni im Saarland. Und auch in Hessen (im Mittel 19,8 Grad) führte das Extremwetter zu einem Hitzerekord.
Fossile Brennstoffe verschlimmerten Hitzewellen „rapide“
Für mindestens 252 Wetterstationen im Land wiesen die Meteorologen zudem neue Allzeithöchstwerte aus. Im brandenburgischen Coschen an der Neißemündung sei am Sonntag mit 41,7 Grad die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur festgestellt worden. Der Wetterdienst beobachtet die Hitzewerte hierzulande seit 1881; die Messungen werden im Schatten vorgenommen. Im Vergleich zur Referenzperiode der Jahre 1961 bis 1990 waren es in diesem Juni im Schnitt 4,1 Grad Celsius mehr. Der Unterschied zur Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug plus 3,1 Grad Celsius.
Deutschland war in den vergangenen Tagen nicht das einzige Land, das die Hitzewelle zu ertragen hatte. Weitere Hitzerekorde wurden in Ungarn (41,9 Grad) sowie in der Tschechischen Republik (40,9 Grad) und Österreich (40,5) gemessen. Da sich die Hitzewelle in den nächsten Tagen weiter nach Osten verlagern werde, erwartet der DWD auch in diesen Ländern neue Höchstwerte. Die Messungen sind vorläufig.
Parallel dazu konstatierte die Organisation World Weather Attribution in einer Studie eine für Europa „nie zuvor vergleichbare Extremlage“. Die Klimaforscher führten dies zuvorderst auf den Ausstoß fossiler Brennstoffe zurück. In nur wenigen Jahrzehnten hätten diese die europäischen Hitzewellen „rapide“ verschlimmert.
Für mindestens 26 Menschen endete die Abkühlung in Gewässern oder Freibädern am Wochenende tödlich. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sei auffällig, dass darunter ausschließlich Männer seien. Die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt, sprach von einer „Risikogruppe“.
