Cristiano Ronaldo schaute ungläubig, als Mikel Merino jubelnd die Eckfahne umkreiste. Fast die ganze Spielzeit trafen weder Portugal noch Spanien am Montag im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Dallas ins Tor. Als der eingewechselte Merino es nach Vorlage der ebenfalls ins Spiel gekommenen Fabián Ruiz und Ferran Torres, die mit Rodri kombinierten, mit Ablauf der Spielzeit doch noch tat, hatte Portugal keine Antwort mehr. Und Ronaldos sechste WM war plötzlich vorbei.
Als in der Nachspielzeit auch noch die beiden eingewechselten Portugiesen Francisco Conceição als Flankengeber und Bernardo Silva, der den Kopfball auf das spanische Tor setzte, sowie João Neves mit einem weiteren Versuch in der letzten Aktion der Partie, scheiterten, hatten die Spanier ein Spiel, das auf eine Verlängerung zusteuerte, doch so eben noch in der regulären Spielzeit gewonnen. Die Iberer, die weiter das einzige Team ohne Gegentor sind, treffen im Viertelfinale an diesem Freitag auf die USA oder Belgien.
Dann wird wieder mittags gespielt, in einem klimatisierten Stadion in Los Angeles. Am Montag, in der Arena des Footballteams aus Dallas, setzten sich die Spanier zuerst den Cowboyhut auf und hatten nach einem schnellen Ritt durch Portugals Mittelfeld die erste große Torchance. Dani Olmo legte den Ball direkt in den Lauf des durchlaufenden Mikel Oyarzabal, der bereits vier Treffer bei diesem Turnier erzielt hatte. Ein fünfter kam erst einmal nicht hinzu. Der Stürmer aus San Sebastian schoss mit links rechts vorbei.
Rodri wieder ganz der Alte
Auf der anderen Seite hat der 41 Jahre alte Ronaldo zwar nicht mehr die Schnelligkeit, seinen Gegenspielern einfach davonzulaufen, für einen schnellen Übersteiger reicht es aber allemal. Sein Schuss nach spanischem Ballverlust jedoch brachte Torwart Unai Simon bei angenehmen 21 Grad Celsius in der Arena in Arlington nicht ins Schwitzen.
Und Lamine Yamal? Der 18 Jahre alte Spanier wollte im iberischen Generationskonflikt mit Ronaldo nicht länger auf seinen ersten Schuss warten, nachdem er kurz zuvor noch mit einem Fehlpass negativ aufgefallen war. Diogo Costa parierte Yamals Versuch und gleich auch den zweiten, spiegelverkehrt von der anderen Seite durch Alex Baena – zwei sehenswerte Paraden des portugiesischen Torwarts.
Spanien wurde nun dominanter, was aber nicht an Yamal lag, der mit Nuno Mendes den vermutlich derzeit stärksten Linksverteidiger als Gegenspieler hatte, sondern vielmehr an Rodri, der Richtung und Tempo des Spiels wieder bestimmt wie vor seiner schweren Verletzung im September 2024, als er sich einen Riss im vorderen Kreuzband im rechten Knie zuzog. Das ist wieder zusammengewachsen, und Rodri hält die Fäden im spanischen Spielzentrum. Er wurde später zum Spieler des Spiels gewählt.
Die nächste Chance hatte aber Dani Olmo, der eine Fußabwehr von Costa per Kopfball neben das Tor setzte. Die höhere Qualität der Möglichkeiten besaß allerdings Portugal. João Félix‘ Kopfball wehrte Simon ab, Ronaldos geschicktes Nachsetzen fischte sich der zurück ins Tor fliegende Torwart. Als Spanien vor der Pause bei einer kurzen Ecke nicht aufpasste, knallte Mendes den Ball – abgefälscht von Pedro Porro – an die Latte.
Mendes muss verletzt vom Platz
Nach der Pause war für Mendes allerdings schnell Schluss. Nach einem Sprint im Duell mit Yamal fasste er sich an den hinteren Oberschenkel und musste den Platz verlassen; Nélson Semedo übernahm die Aufgabe gegen Yamal. Viel zu tun bekam er indes vorerst nicht. Spanien versuchte es gegen die stabilen Portugiesen mit Fernschüssen, der beste von Pedri wurde im letzten Moment von Renato Veiga noch über das Tor gelenkt.
Die verbleibende Spielzeit wurde weniger, und damit wurden es auch die Möglichkeiten, einen Fehler, der zu einem Tor führt, wieder auszumerzen. Das ließen sich die Mannschaften anmerken. Dann lief Yamal Semedo doch einmal davon. Nach einem Zupfer am Trikot durfte der Spanier unbedrängt per Freistoß schießen, sein Ball aber wehrte Costa mit einem Arm problemlos ab, da hatte Portugals Keeper in diesem Spiel zuvor schwierigere Prüfungen zu bestehen.
Nicht eingreifen musste sein Gegenüber Simon, als Bruno Fernandes schoss, aber nur das Außennetz traf. Auf der anderen Seite rutschte Rúben Dias so gerade noch in Olmos Schuss – es fehlte nicht viel, aber es fehlte eben etwas. Bis genau zum Ablauf der 90 Minuten Spielzeit auf dem riesigen Videowürfel.
Dann hatten Ruiz, Rodri und Torres eine Idee – und Merino traf flach vorbei ins kurze Eck, vorbei an Costa Fuß zum 1:0 für Spanien. Er beendete den WM-Traum von Portugal und Ronaldo, wie er im Viertelfinale den deutschen Weg bei der Heim-Europameisterschaft in der Verlängerung beendet hatte. Der Weg der Spanier indes geht weiter.
