Donald Trump und Gianni Infantino haben telefoniert. Dabei ist etwas ins Rutschen gekommen. Was entwickelt sich bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft mitten im Sommer? Ein Schneebrett – oder doch eine Lawine? Die Empörung über den Eingriff in den Wettbewerb ist gewaltig. Die Disziplinarkommission der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) hat den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun für spielberechtigt erklärt; er spielte wie alle amerikanischen Spieler gegen Belgien miserabel. Infantino muss heilfroh sein, dass es so kam.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Doch die Sache nimmt Fahrt auf. In zwei Jahren stehen Olympische Spiele in Los Angeles an: Rund 11.000 Teilnehmer aus 211 Staaten, dazu Schiedsrichter und Funktionäre – sofern sie Trumps Behörden ins Land lassen. Zwischenbemerkung: Dieses Problem dürfte noch größer werden als bei der Fußball-WM. Und dann: 35 Sportarten, 353 Entscheidungen. 353 Gelegenheiten für Trump, seinen Gusto zum Ausdruck zu bringen, wer antreten, wer siegen möge.
Noch eine Zwischenbemerkung: Wer eins und eins zusammenzählt, kommt nun schon auf zwei Gründe, warum die Vereinigten Staaten unter diesem Präsidenten ungeeignet sind als Gastgeber internationaler Sportveranstaltungen.
Die FIFA spielt unter Infantino Doppelpässe mit der Doppelmoral
Fußballverbände in sehr viel kleineren Ländern werden für Interventionen von sehr viel weniger mächtigen Politikern suspendiert. Zum Beispiel Nepal: Die All Nepal Football Association bekam von der FIFA soeben auf unbestimmte Zeit den Abpfiff. Der staatliche nationale Sportrat hatte andere Vorstellungen von der Verbandsführung als der Fußballverband. Spielende. Wunderbar, wie Infantinos FIFA Doppelpass mit der Doppelmoral spielt.
Das Internationale Olympische Komitee, das russischen Sportlern nun den Weg nach Los Angeles geebnet und internationalen Verbänden freie Hand gegeben hat, sich von Wladimir Putin nach Lust und Laune umwerben zu lassen, ganz gleich wie viele seiner Raketen noch auf ukrainischen Kinderspielplätzen einschlagen und ukrainische Turnhallen noch dem Erdboden gleichgemacht werden, hat sich derweil für noch neutraler erklärt. Welch ein Steilpass für alle Funktionäre, die sich einmal wie Infantino fühlen wollen. Faustformel: Je lauter die eigene Neutralität betont wird, umso stiller lässt sich kungeln.
Die Erklärung dafür ist so simpel, dass sie Kirsty Coventry am Dienstag in einen Satz packte: „Ich würde ja nicht hier sitzen, wenn ich dafür hätte büßen müssen, als mein Land Dinge durchgemacht hat und sanktioniert war.“ So spricht die IOC-Präsidentin, weil sich der simbabwische Gewaltherrscher Robert Mugabe mit ihren Goldmedaillen schmückte und dessen Nachfolger Emmerson Mnangagwa Coventry als Sportministerin in sein Kabinett holte.
Die Präsidentin des IOC und den Präsidenten der FIFA eint das: Beide haben sich von Politikern hochgradig kompromittieren lassen. Es ist Donald Trumps sehr öffentlich ausgelebtem Hang zur Korruption zu verdanken, dass der Welt vor Augen geführt wurde, wie groß das Problem ist. Längst ist es höchste Zeit, diesem Spiel ein Ende zu bereiten.
