Die Wanderung durch das Reintal auf die 2962 Meter hohe Zugspitze ist eine klassische Alpen-Unternehmung. Gewöhnlich wird dafür eine Zeit von acht bis zehn Stunden angegeben, gern auf zwei Tage verteilt – schließlich sind allein 2300 Höhenmeter zu überwinden. Anton Palzer hatte es da etwas eiliger. Der 33 Jahre alte Extremsportler aus Berchtesgaden wollte es vor Kurzem genau wissen: Wie schnell könnte er aus eigener Kraft vom Münchner Marienplatz aus den Gipfel der Zugspitze erreichen? Nun hat er die Antwort: 4:43 Stunden benötigte er laut Pressemitteilung, radelnd und laufend, für die 115 Kilometer und 3036 Höhenmeter.
Start war um drei Uhr morgens, über dunkle und fast leere Straßen ging es in 2:17 Stunden bis zum Skistadion von Garmisch-Partenkirchen. „Auf der Radstrecke war mehr Gegenwind als erwartet, im Rahmen der angepeilten Zeit zu bleiben, war echt hart“, so Palzer. Über einige steilere Rampen erreichte er um 5.41 Uhr sein Materialdepot im Reintal, wo er vom Radfahren aufs Berglaufen umstellte. Dort erreichten ihn auch endlich die ersten Sonnenstrahlen: „Das Berggras hat im Morgentau geglitzert, ich war völlig allein in diesem riesigen Talkessel unterwegs – der Moment hat noch mal richtig Energie geliefert.“

Weiter ging es auf steilen Serpentinen, durch Moränengelände und vorbei am 2650 Meter hoch gelegenen Schneefernerhaus auf die letzten Höhenmeter über den Südwestgrat. Die taten dann, so Palzer, schon weh: „Ich war schon ziemlich leer, die Stufen zum Münchner Haus musste ich dann mal kurz auf allen vieren bewältigen.“ Am Gipfel blieb die Uhr schließlich bei vier Stunden, 43 Minuten und 46 Sekunden stehen.
Ein Rekord? Vielleicht – das war für Palzer aber gar nicht ausschlaggebend. Der langjährige Spitzenbergläufer, der zuletzt als Radprofi im Team Red Bull-BORA-hansgrohe auch bei großen Rundfahrten wie dem Giro d’Italia dabei war, hatte andere Beweggründe für seinen Speedtrip: „Mich auf dem Rad und in den Bergen immer wieder am Limit zu bewegen, ist für mich pures Glück.“ Insofern dürfte es ein glücklicher Sommermorgen gewesen sein für Anton Palzer.
