
Begänne dieser Text mit einem Countdown, die meisten von Ihnen würden sich wohl fragen, was dieser Blödsinn soll. Genau das haben wir uns jedenfalls gefragt, als wir bei dieser Weltmeisterschaft zum ersten Mal ein Spiel im Stadion besucht haben: Warum lässt der Fußballweltverband (FIFA) vor dem Anstoß jetzt einen Countdown im Stadion herunterzählen, obwohl das vor dem Start eines WM-Spiels ebenso blödsinnig ist wie vor dem Start einer WM-Kolumne?
Die Frage kroch einem gerade ins Bewusstsein, als die FIFA daran erinnerte, dass ihre Antwort immer dieselbe ist, ganz egal, wie die Frage heißt. Die ewig gültige FIFA-Antwort ist nicht 42, sie lautet: Weil wir damit Geld verdienen. Im Fall des Countdowns wurde das klar, als der Stadionsprecher die Zuschauer nicht bat, den WM-Countdown herunterzuzählen, sondern den „final countdown powered by Aramco“.
Man könnte nun fragen, warum die FIFA, diese selbst erklärte Nachhaltigkeitskämpferin, in den letzten Sekunden vor den WM-Spielen die größte Erdölfördergesellschaft der Welt bewirbt, aber die Antwort der FIFA kennen wir ja schon. Wichtiger ist deshalb der Hinweis an alle anderen Veranstalter und Rechtekäufer von Fußballwettbewerben, dass wirklich nicht jedes Kind einen Sponsorennamen braucht. Und dass man erst recht keine neuen Kinder in die Welt setzen muss, nur weil einem noch ein paar üble Spender dafür einfallen würden.
Wie nervtötend dieses Phänomen ist, daran erinnert einen zwar erst die FIFA mit ihren Neugeborenen; dem Erdölcountdown und den „Hydration Breaks“, die der Fußballverband im Stadion gleich zu „Powerade Hydration Breaks“ gemacht hat (und der Sender Foxsports zu „Lenovo Match Breaks“). Man landet dann aber auch schnell bei den Vermögensberatungs-Halbzeitanalysen und den Sportwetten-Topspielen in der deutschen Bundesliga-Übertragung. Und den beiden wünscht man nun wirklich keine Geschwister mehr.
