
Ja, ist denn heut noch Weltmeisterschaft? Das schienen sich die Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei zu fragen, als Schiedsrichter Bastian Dankert nach einer halben Stunde das Spiel unterbrach und die Spieler aus Berlin und Frankfurt zu den Seitenlinien eilten, wo sie Getränke gereicht bekamen.
„Ihr macht unsern Sport kaputt“, donnerte es dazu von den Tribünen, offenbar in der Annahme, dass es sich um eine der von oben verordneten Trink- und Werbepausen handelte. Lädiert war aber in diesem Fall nur die Muskulatur eines der Schiedsrichterassistenten, er musste ausgewechselt werden.
Man kann von Fußballfans auch etwas lernen
Nun sollte man zwar nicht ganz ausschließen, dass Fußballfans in so einem Moment die Fähigkeit zu situativer Ironie unter Beweis stellen. Man könnte auch hinzufügen, dass man von Fußballfans durchaus etwas in Sachen Ambiguitätstoleranz lernen kann: Wenn eine Elfmeterentscheidung per Videobeweis für das eigene Team mit dem Macht-den-Sport-kaputt-Rant besungen, das Tor dann aber trotzdem bejubelt wird. Und ganz bestimmt sollte man festhalten, dass ein Ritual ja auch etwas Schönes ist, an dem man sich als Gruppe, nicht nur von Fußballfans, festhalten kann.
Am naheliegendsten ist aber eine andere Interpretation mitsamt einer optionalen Ableitung: Dass zwischen Reiz und Reaktion manchmal besser noch Zeit für eine Umdrehung sein sollte – nicht nur, wenn ein Ball im Spiel ist.
