
Im Bremer Stadion passierte am Samstag etwas, das in der Bundesliga selten ist: Nicht der Kapitän schnappte sich das Mikrofon, sondern der Capo einer Ultra-Gruppe. Vier Minuten sprach er, appellierte an die Fans, dass es nur gemeinsam gehe. Jede Wut, jede Fassungslosigkeit sei berechtigt, rief er dem Publikum zu.
Aber es bringe nichts, sich selbst zu zerfleischen, auf eine Mannschaft, die ohnehin schon verunsichert sei, weiter einzudreschen. Man habe die Spieler nach der Niederlage bei St. Pauli aus der Kurve geschickt, weil die Reaktionen „nicht schön“ gewesen wären. Aber: „Es gibt keinen Riss zwischen den Fans und der Mannschaft.“
Wer seit 13 Spielen sieglos ist, einen Trainer entlassen hat und unter dem Nachfolger dreimal verliert, der kann im Abstiegskampf schnell die Nerven verlieren. Diese Gefahr hat der Capo adressiert – und damit etwas ausgesprochen, was im Profifußball selten so offen benannt wird: Pfiffe können anspornen, aber sie können auch lähmen.
Ob die Ansprache ursächlich für den Sieg gegen Heidenheim war, lässt sich nicht beweisen. Doch sie setzte den Ton. Und in einer Sportart, in der sich Krisen oft in Kurzschlüssen entladen, war dies eine ungewöhnliche Form der Nüchternheit: der Versuch, die Realität auszuhalten, ohne daran kaputtzugehen.
Münster dreht das Spiel
Mit einem Doppelschlag in vier Minuten hat Preußen Münster seine rasante Talfahrt derweil gestoppt. Nach neun Spielen in Folge ohne Sieg setzte sich die Mannschaft von Trainer Alexander Ende nach Rückstand noch mit 2:1 (0:0) im Kellerduell bei Eintracht Braunschweig durch. Münster sprang auf den 13. Tabellenplatz, Braunschweig rutschte nach nur einem Sieg aus den vergangenen sieben Partien auf Rang 16 ab.
Ausgerechnet der gebürtige Münsteraner Lukas Frenkert erzielte per Kopf die Führung für die Gastgeber (56.). Doch Jorrit Hendrix glich nach Zuspiel von Jano ter Horst mit einem präzisen Schuss ins Eck aus (71.). Wenig später drehte Oliver Batista Meier mit einem direkt verwandelten Freistoß das Spiel komplett (75.). Die Schlussphase musste Münster nach Gelb-Rot für Paul Jaeckel (88.) in Unterzahl überstehen.
„Es gibt nichts Besseres. Wir haben uns das so verdient“, sagte Batista Meier bei Sky, „wir haben in den letzten Spielen so viel Pech gehabt.“
