Für Werders Trainer Daniel Thioune hätte das Spiel gegen RB Leipzig auch schon beim Stand von 2:0 beendet werden können. «Für alle Fußballromantiker hätten wir das Buch da schon zuschlagen können», sagte der Coach des Fußball-Bundesligisten nach dem furiosen 3:1-Erfolg gegen den Champions-League-Club. Thioune freute sich vor allem über die Tore seiner beiden Rückkehrer. «Eren hat getroffen, Fülle hat getroffen.»
Statt Pfiffe und Krisenstimmung in Bremen sangen die Werder-Fans: «Oh, wie ist das schön!» Eren Dinkçi und Niclas Füllkrug hatten mit ihren Leistungen und Treffern einen großen Anteil an dieser dicken Überraschung nach dem schwachen Auftakt beim 1:4 in Freiburg. Thioune zeigte sich nicht ohne Grund «sehr, sehr beeindruckt».
Der gebürtige Bremer Dinkçi, vor der Saison auf Leihbasis zu seinem Jugendclub zurückgekehrt, traf früh zum 1:0 (4. Minute). Weil bei seiner Partnerin im April dieses Jahres Blutkrebs festgestellt worden war, zog es das Paar zurück in die Heimat.
Emotionen bei Werder-Rückkehrern
«Es war sehr emotional für mich», sagte der Angreifer im Vereins-TV. Fast schon sehnsüchtig wartete der 24-Jährige auf einen Treffer im Weserstadion. «Ich habe es nie verheimlicht, dass es schon immer ein Traum von mir war, hier zu treffen. Umso schöner, dass es geklappt hat», betonte Dinkçi.
Mit Füllkrug war auch der nächste Rückkehrer erfolgreich. Aus zwölf Metern köpfte er nach einer Werder-Ecke den Ball ins Leipziger Netz. «Ich weiß nicht, ob den jeder Spieler macht von da», erklärte der Ex-Nationalspieler selbstbewusst. «Den habe ich gut getroffen.» Danach folgte der emotionale Jubel vor der Bremer Fankurve. «Ich habe nach dem Tor gespürt, dass es noch einmal deutlich emotionaler ist als irgendwo anders», erklärte der Routinier.
Füllkrug funktioniert in Bremen
Füllkrug und Werder – das passt auch bei seiner zweiten Rückkehr. Mit 19 debütierte er als junger Werder-Spieler in der Bundesliga. 2019 folgte bei seiner ersten Wiederkehr nach Bremen der Durchbruch zum Nationalstürmer. Nun zeigte er nach zwei äußerst durchwachsenen Jahren bei West Ham United und der AC Mailand schnell wieder sein bekanntes Knipser-Gesicht. «Wir haben eine Wucht dazubekommen», beschrieb ihn Kapitän Marco Friedl.
Für Thioune war allerdings nicht nur der Füllkrug-Treffer zum 2:0 (68. Minute) maßgeblich. Mit einem harten Zweikampf direkt nach Spielbeginn dokumentierte der Angreifer den Werder-Weg. «Niclas Füllkrug hat gleich in seiner ersten Grätsche ein Statement gesetzt, was allen geholfen hat zu erkennen, was wir heute vorhaben», betonte der Bremer Trainer.
Vor dem Spiel war die Stimmung in Bremen noch eine ganz andere gewesen. Das schwache Ende der Vorsaison, das 1:4 in Freiburg, die schwere Verletzung von Jens Stage und der viel kritisierte Abschluss der Transferperiode mit drei weiteren Last-Minute-Leihen hatten nicht unbedingt für Zuversicht gesorgt. Doch Friedl, Füllkrug und Co. begeisterten stattdessen die Fans.
Unruhe sorgt für Reaktion
«Es gab extrem viel Unruhe rund um den Verein. Das hat mich nachdenklich gemacht, weil es wirklich so schlecht geschrieben wurde. Deshalb wollten wir mit den Fans im Rücken eine Reaktion zeigen», sagte Abwehrchef Friedl. Acht Kilometer rannte die Bremer Mannschaft mehr als der Gegner. «Wir wissen, dass es in den letzten Monaten nicht immer einfach war, aber wir sind trotzdem als Mannschaft zusammengestanden und haben Scheiße gefressen», betonte der überragende Marco Grüll, der für den dritten Treffer sorgte.
Einziges kleines Manko an einem für Werder besonderen Tag: Im DFB-Pokal geht es in der 2. Runde zu Borussia Dortmund, Füllkrugs Ex-Club. «Ich freue mich natürlich, wieder in Dortmund zu spielen. Aber wir hätten es auch gern ein paar Runden nach hinten schieben können», sagte er schmunzelnd.
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