
Es war eher eine routinierte Bundesligaparty als ekstatischer Jubel, der auf der Dortmunder Südtribüne ausbrach, nachdem Borussia Dortmund das wichtigste Saisonziel erreicht hatte. Durch ein souveränes 4:0 gegen SC Freiburg wird der BVB in der kommenden Saison zum elften Mal in Serie in der Champions League spielen.
„Das drei Spieltage vor dem Saisonende zu schaffen, ist, was ich mir gewünscht habe“, sagte Trainer Niko Kovac, „heute hat es mir sehr gut gefallen, und ich glaube, den Zuschauern auch.“ Geholfen haben dabei allerdings auch die Freiburger, die sehr freundliche Gäste waren zu diesem 1000. Heimspiel der Dortmunder Bundesligageschichte.
Inmitten ihrer vielen Pokalspiele hatte Freiburgs Trainer Julian Schuster etliche wichtige Spieler gar nicht mit ins Revier genommen. Der Abwehrchef Matthias Ginter fehlte genauso wie die beiden wichtigsten Ballbesitzakteure Johan Manzambi und Yuito Suzuki sowie der in den großen Spielen gesetzte Linksverteidiger Jordi Makengo. Das Quartett sollte sich nach den Strapazen der 120 Halbfinalminuten im DFB-Pokal vom Donnerstag in Stuttgart erholen. Zudem saß Jan-Niklas Beste nur auf der Bank, die Gedanken dahinter liegen auf der Hand.
Freiburg ist zu Beginn hoffnungslos unterlegen
Die Freiburger haben verstanden, dass das Halbfinale in der Europa League, das an den beiden kommenden Donnerstagen ausgetragen wird, eine historische Chance bietet, die womöglich jahrzehntelang nicht wiederkommt. Im Hinspiel bei Sporting Braga sollen alle möglichst frisch sein. Hinzu kommt, dass Siege im Europapokal die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass auch der achte Platz in der Bundesliga für die Teilnahme an der Europa League berechtigt und dass der Achte in der Conference League mitspielen darf. Genau dort steht der SC nun hinter den punktgleichen Frankfurtern.
Und so spielten die Freiburger mit einem Team, das dem BVB besonders zu Beginn hoffnungslos unterlegen war. Früh trug ein Stellungsfehler von Derry Scherhant bei einem langen Ball von Ramy Bensebaini aus der Dortmunder Hälfte zum 1:0 bei (8.). Sechs Minuten später traf Serhou Guirassy zum 2:0, nachdem Christian Günter die Orientierung verloren und nicht klar genug mit Bruno Ogbus kommuniziert hatte.
Und als Bensebaini eine Ecke gegen den viel zu zaghaft verteidigenden Maximilian Eggestein zum 3:0 ins Tor geköpft hatte, war die Partie praktisch entschieden (32.). „Entscheidend war, wie wir verteidigt haben, das war bei den ersten beiden Toren nicht gut genug“, sagte Freiburgs Trainer Julian Schuster, der sein Team aber für die Leistung in der zweiten Hälfte lobte: „Wie die Mannschaft nach dem 0:3 wieder rauskommt, das ist bemerkenswert.“
Beinahe wäre der SC tatsächlich noch einmal herangekommen, als Lukas Kübler in der 55. Minute einen Freistoß ins Dortmunder Tor köpfte, doch der Freiburger stand ein paar Zentimeter im Abseits. Kurz vor Schluss durfte der eingewechselte Fabio Silva dann noch das 4:0 und damit sein zweites Bundesligator bejubeln (87.), Marcel Sabitzer sagte: „Wir haben die ganze Woche sehr fokussiert trainiert. Haben gut den Ball laufen lassen, Energie, Schärfe, das hatten wir heute auf den Punkt, und dann gewinnt man auch mal 4:0.“
„Heute war es schwer“
Ähnlich relevant wie die Dortmunder Spielfreude waren für den Spielverlauf allerdings schon die Freiburger Müdigkeit nach dem verlorenen DFB-Pokal-Halbfinale und die Fokussierung auf die Europa League. „Heute war es schwer, wir haben viel durchrotiert, hatten zwei Auswärtsreisen hintereinander“, sagte Maximilian Eggestein, einer der Immerspieler, der auch an diesem Tag bis zum Ende durchhielt.
Für die Dortmunder war dieser Erfolg unterdessen nicht nur wichtig, weil die Teilnahme an der Champions League feststeht. Das 4:0 taugt auch als Mittel gegen Zweifel am Kader, am Spielstil und in einigen Teilen der BVB-Blase sogar am insgesamt sehr erfolgreichen Trainer Niko Kovac, die bei einem weiteren Rückschlag neue Nahrung erhalten hätten.
Eine verschärfte Lage an dieser Front bleibt den Dortmundern so erspart, und Kovac kann weiter an den Weichenstellungen für die nächste Saison arbeiten. Zur Startelf gehörte beispielsweise Samuele Inacio, der gerade erst seinen 18. Geburtstag gefeiert hat und der nach einer Stunde beinahe sein erstes Bundesligator geschossen hätte. Kurz vor Schluss durfte zudem Albert Mathis, 16, seine ersten Bundesligaminuten sammeln.
In der zweiten Halbzeit ließen die Dortmunder dieses Spiel dann irgendwie ohne den allerhöchsten Energieeinsatz auslaufen, so wie sie diese Saison nun auslaufen lassen können. Wobei sie schon noch den zweiten Tabellenplatz zu verteidigen haben und den Freiburgern auf ihrem Weg zur abermaligen Europacup-Qualifikation helfen können, wenn sie im letzten Heimspiel der Saison noch Eintracht Frankfurt schlagen. „Wir können uns richtig schön verabschieden und haben noch Ziele“, sagte Kovac während Sabitzer ergänzte: „Es ist unser Anspruch, dass wir schlechtestenfalls die Nummer zwei in der Liga sein wollen. Das ist der Auftrag.“
