Einen Tag nach dem dramatischen Aus von Topfavorit Jannik Sinner hat es bei den French Open auch Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic erwischt. Der 39 Jahre alte Serbe musste sich nach einer 2:0-Satzführung gegen den halb so alten Brasilianer João Fonseca (19) mit 6:4, 6:4, 3:6, 5:7, 5:7 geschlagen geben. Nach 4:53 Stunden stand sein überraschendes Drittrunden-Aus im Fünfsatzkrimi fest.
Damit haben sich die Titelchancen von Alexander Zverev nochmals erhöht. Der Hamburger spielt am Abend gegen den Franzosen Quentin Halys um den Achtelfinaleinzug. Von den Top-Fünf der Weltrangliste ist nur noch Zverev im Turnier.
„Kannst du etwas dichter in mein Gesicht kommen?“
Er habe „eigentlich nicht“ damit gerechnet, sagte Fonseca hinterher ehrlich: „Ich habe es nur genossen, was für ein Vergnügen war das.“ Er sei „einfach nur sehr glücklich“. Fonseca, der das Match nervenstark mit drei Assen in Serie beendete, ist der erste Teenager überhaupt, der Djokovic auf der Grand-Slam-Bühne schlagen konnte.
Djokovic muss für seinen Traum vom 25. Grand-Slam-Triumph einen neuen Anlauf nehmen. Vor 17 Jahren war er letztmals bereits in der dritten Runde in Roland Garros ausgeschieden. Sein Gegner damals war der deutsche Profi Philipp Kohlschreiber.

Fonseca, der schon länger als großes Talent auf der Tour gilt und auf dem 30. Platz der Weltrangliste liegt, ist der erste Teenager überhaupt, der Djokovic auf der Grand-Slam-Bühne schlagen konnte.
In den ersten beiden Sätzen spielte Djokovic auf dem Court Philippe Chatrier überzeugend, ehe Fonseca mutiger wurde und den Altmeister mehr ins Laufen brachte. Der dreimalige French-Open-Gewinner musste bei 30 Grad kämpfen. Mit der Hitze, dem Gegner, den vielen brasilianischen Fans auf der Tribüne – und auch seinem Körper. Er atmete nach längeren Ballwechseln schwer und ging oft in die Hocke.
Nach dem verlorenen vierten Satz verschwand Djokovic für eine Toilettenpause in die Kabine. Etwas erholt holte sich der Favorit das Break zum 3:1, doch das konnte er im anschließenden Aufschlagspiel nicht bestätigen. Djokovic konzentrierte sich fortan vor allem auf seine Aufschlagspiele, die er aus Kraftgründen möglichst kurz halten wollte. Aber dem spielfreudigen Fonseca gelang das entscheidende Break zum 6:5. In den Tiebreak konnte sich Djokovic nicht mehr retten.
Verärgert war Djokovic unmittelbar nach dem Gewinn des zweiten Satzes, als sich ihm seiner Meinung nach ein Kameramann zu sehr genähert hatte. „Kannst du etwas dichter in mein Gesicht kommen?“, blaffte ihn der Serbe an: „Um Gottes willen, mach’ ein bisschen Platz.“
