Angeführt von Stürmerstar Kylian Mbappé hat Frankreich zum dritten Mal nacheinander das Halbfinale einer Fußball-WM erreicht. Der große Titelfavorit setzte sich im Viertelfinale hochverdient 2:0 (0:0) gegen Marokko durch und trifft nun auf den Sieger des Duells zwischen Spanien und Belgien, das an diesem Freitag in Inglewood bei Los Angeles stattfindet.
Mbappé scheiterte zunächst mit einem Elfmeter an Marokkos überragendem Torhüter Bono, traf in der 60. Minute dann aber per Traumtor zur Führung. Der frühere Dortmunder Ousmane Dembélé (66.) legte nach. Für Frankreich war es der sechste Sieg im sechsten Spiel bei diesem Turnier. Mbappé hat nun insgesamt 20 WM-Tore, nur eines weniger als Lionel Messi aus Argentinien. Nach seiner Auswechslung musste er allerdings seinen Knöchel kühlen, nachdem er in der zweiten Halbzeit einmal übel gefoult worden war.
„Ich habe einen Schlag auf die Ferse bekommen, aber es geht mir gut“, sagte Mbappé im Anschluss. „Wir sind im Halbfinale, wir sind zuversichtlich. Der Weg ist noch lang. Es wird noch härter werden. Aber wir sind bereit“, ergänzte der Angreifer.
Marokko, das 2022 als erstes afrikanisches Team ein WM-Halbfinale erreicht hatte, wirkte vor 63.811 Zuschauern über weite Strecken überfordert.
Marokkos Bono hält herausragend
Die Franzosen waren in der Hitze von Foxborough von Anfang an das klar bessere Team, verzweifelten aber lange an Marokkos bestens aufgelegtem Schlussmann. Der 35 Jahre alte Bono war schon nach wenigen Minuten bei einem Schuss von Mbappé und einem Kopfball von Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano zur Stelle – und wurde dann immer stärker.
In der 28. Minute hielt Bono sogar einen Strafstoß von Mbappé. Die Szene verlief aus Sicht des Schützen aber auch extrem unglücklich. Das Foul des früheren Bayern-Profis Noussair Mazraoui am Kapitän der Équipe Tricolore war eine klare Sache. Ein vorangegangener Zweikampf zwischen Marokkos Achraf Hakimi und Frankreichs Désiré Doué wurde jedoch erstaunlich lange überprüft. Mbappé stand am Punkt bereit, wartete lange und scheiterte schließlich.

Bonos Elfmeter-Statistik bei Weltmeisterschaften ist bemerkenswert: Von neun Schützen konnten ihn nur zwei überwinden. Viermal parierte er, dreimal wurde anderweitig vergeben. Mbappé blickte nach seinem Fehlversuch derweil fassungslos zum argentinischen Referee Facundo Tello hinüber. Die Diskussion über die Schiedsrichter-Leistungen bei diesem Turnier dürfte weitergehen.
Die Franzosen versuchten es wieder und wieder. Ein Schlenzer von Ousmane Dembélé flog am Tor vorbei (33.), Doué brachte die Kugel aus guter Position nicht an Bono vorbei (35.), Lucas Digne schoss an die Latte (45.+2).
Und Marokko? Blieb offensiv erstaunlich blass. Die Nordafrikaner mussten zwar den angeschlagenen Ismael Saibari, der ab der kommenden Saison für Bayern München spielt, draußen lassen. Dennoch war es im Angriff viel zu wenig.
Kurz nach der Pause ließ Marokko eine vielversprechende Konterchance liegen, dann übernahmen wieder die Franzosen das Kommando. Mbappé tauchte nach einem guten Antritt von Bayern-Star Michael Olise plötzlich frei vor Bono auf. Er jagte den Ball deutlich über das Tor, stand aber ohnehin im Abseits (56.).
Und dann war es doch soweit: Mbappé erlöste sich und seine Franzosen – und wie. Von der Strafraumgrenze aus schlenzte der Stürmer von Real Madrid den Ball herrlich ins rechte Eck. Bono konnte diesmal nur noch hinterherschauen. Der Bann war gebrochen, Dembélé entschied die Partie nur sechs Minuten später mit einem Flachschuss.
