
Die letzte Nachricht vom Büroimmobilienmarkt kam aus dem Bankenviertel. Die deutsch-französische Bank Oddo BHF mietet sich im Frankfurter Hochhaus Skyper ein. Das Finanzinstitut bezieht in der denkmalgeschützten Villa an der Taunusanlage 1 und im dahinter liegenden Skyper Tower 14.700 Quadratmeter Bürofläche. Das Unternehmen, das seine bisherige Zentrale an der Gallusanlage 8 verlassen muss, bleibt damit dem Bankendistrikt der Stadt erhalten – und folgt einem Trend, wonach in Frankfurt nach wie vor die zentral gelegenen Flächen besonders begehrt sind, wohingegen es ältere Randlagen schwer haben.
Der vergangene Woche von Ampega Asset Management vermeldete Abschluss könnte der Auftakt zu einem zweiten Halbjahr sein, in dem das negative Ergebnis des ersten Halbjahres wettgemacht werden soll, zumindest in Teilen. Denn im ersten Halbjahr 2026 lagen die Bürovermietungen in Frankfurt mit 173.000 Quadratmetern laut Zahlen des Maklerhauses BNP Paribas Real Estate deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Geschäftsführer Riza Demirci hat dafür zwei Erklärungen. Erstens sei 2025 mit 611.000 Quadratmetern neu vermieteter Bürofläche ein ungewöhnlich starkes Jahr gewesen, damals hatten die Großanmietungen der Commerzbank im Central Business Tower und der ING im Hafenparkquartier die Umsätze steigen lassen. Und zweitens liefen die meisten Mietverträge eher zum Ende des Jahres aus, weshalb das zweite Halbjahr traditionell stärkere Zahlen aufweise als das erste.
Frankfurt fällt hinter Berlin, München und Hamburg zurück
Nun ist es nicht so, dass es zwischen Januar und Juni gar keine Abschlüsse gegeben hätte: So verlegt die Managementberatung d-fine ihre Büros an der Hauptwache um rund 200 Meter und bezieht gut 5000 Quadratmeter im ehemaligen Esprit-Haus an der Zeil. In einer ähnlichen Größenordnung bewegt sich der Abschluss in der berühmten Immobilie The Squaire über dem ICE-Bahnhof am Flughafen. Dort hat Fraport rund 6000 Quadratmeter gemietet, was angesichts des Auszugs von KPMG, wodurch dort rund 60.000 Quadratmeter frei werden, ein wichtiges Signal für das Gebäude an der Autobahn ist. Für den einzigen fünfstelligen Abschluss sorgte im ersten Halbjahr die DZ Bank, die neben ihrem Hochhaus an der Mainzer Landstraße ein weiteres Gebäude nutzen wird.
Im Ranking der sechs größten Städte Deutschlands belegt Frankfurt damit nur Platz vier, hinter Berlin, München und Hamburg, wo es teils aufsehenerregende Anmietungen durch das Bundeswirtschaftsministerium in der Hauptstadt und durch den Techgiganten Apple in der bayrischen Metropole gab.
Büromarkt Frankfurt: Kein Alarmsignal
Für Riza Demirci sind die jüngsten Daten noch kein Alarmsignal. Zum einen seien zwei größere Projekte auf der Zielgeraden, zum anderen seien viele Betriebe auf der Suche nach neuen Flächen. Der Immobilienexperte erwartet, dass 2026 insgesamt mehr als 400.000 Quadratmeter vermietet werden können. Auffällig sei dabei aber, dass Unternehmen zunehmend darauf achteten, dass die Gebäude modern und auf einem energetisch möglichst hohen Standard seien. Ein Beispiel dafür sei das Hafenparkquartier im Frankfurter Ostend. Obwohl außerhalb des zentralen Bankenviertels gelegen, ist Demirci zuversichtlich, dass alle Büros dort bald vermietet sein werden, obwohl das Projekt erst 2028 oder 2029 fertiggestellt sein dürfte. Unter anderem entsteht dort die neue Deutschlandzentrale der Bank ING. 15 Monate nach Baubeginn ist der Rohbau des 60 Meter hohen Turms abgeschlossen.
Das zuletzt schwächere Ergebnis ist also nicht mit fehlender Nachfrage zu begründen, aber das Interesse konzentriert sich auf Premiumflächen in zentraler Lage. So sind im Bankenviertel nur noch etwa 12.500 Quadratmeter verfügbar, im Westend sind es gar nur 1500, in der Innenstadt 4000 Quadratmeter. Folgerichtig stieg die Spitzenmiete zuletzt auf 57 Euro und dürfte den BNP-Experten zufolge bald die 60-Euro-Marke durchbrechen. Gleichzeitig ging der Leerstand in der Stadt leicht zurück, derzeit gibt es für 11,8 Prozent der Frankfurter Bürofläche keine dauerhafte Nutzung, Tendenz fallend.
Ein erheblicher Unsicherheitsfaktor auf dem Büromarkt, auch für Frankfurt, hat den Experten von BNP Paribas Real Estate zufolge mit Künstlicher Intelligenz zu tun. Demirci sagt, schon jetzt höre er von Managern am Finanzplatz, dass KI Prozesse vereinfachen werde und deshalb kurzfristig Stellen abgebaut würden. Allerdings sieht er keinen langfristigen Rückgang an Stellen. Stattdessen würden Jobs, die wiederum in KI-Unternehmen und bei KI-Anwendungen entstünden, diesen Effekt ausgleichen.
Weit entfernt von früheren Zeiten ist Frankfurt beim Investmentmarkt. 2025 wurden insgesamt 770 Millionen Euro in gewerbliche Immobilienprojekte investiert, in diesem Jahr beobachtet Marc Schmerberg von BNP Paribas Real Estate eine gewisse Erholung auf relativ niedrigem Niveau. Lag das Investmentvolumen 2018 noch bei gut zehn Milliarden Euro, kann ihm zufolge in diesem Jahr erstmals seit 2022 wieder die Marke von einer Milliarde Euro überschritten werden.
