Büros sind in Frankfurt derzeit nicht besonders gefragt. In den ersten Monaten des Jahres wurden nur wenige neue Mietverträge verzeichnet. Entwickler, die derzeit dennoch bauen, können sich meist auf Abschlüsse aus den vergangenen Jahren stützen. So kommt es, dass neue Hochhäuser entstehen oder bestehende modernisiert werden.
In dieser Woche wurde gleich für zwei Frankfurter Hochhaus-Projekte Richtfest gefeiert. Neben dem Rothschildpark an der Bockenheimer Landstraße wird der frühere BHF-Turm nach Plänen des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler komplett modernisiert, derzeit ist nur das Betonskelett zu sehen. Vor einem Jahr wurde mit den Arbeiten für das Projekt „Central Parx“ begonnen, insgesamt investieren die ABG Real Estate Group und die Hanse Merkur Grundvermögen dort rund 370 Millionen Euro. Nach der Fertigstellung in zwei Jahren werden unter anderem die Kanzleien White & Case und Noerr in den rund 80 Meter hohen Turm einziehen, der Mitte der Sechzigerjahre nach Plänen des Architekten Sep Ruf entstanden ist und unter Denkmalschutz steht.
Für den Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) zeigt das Projekt beispielhaft, „wie sich architektonisch bedeutende Bestandsgebäude zukunftsfähig weiterentwickeln lassen“. Die Neugestaltung des Hochhauses stärke nicht nur das Bankenviertel, sondern auch die Attraktivität Frankfurts als Wirtschafts- und Arbeitsstandort.

Kurz zuvor war Josef bei einem weiteren Hochhaus-Richtfest auf der anderen Seite der Innenstadt. Im Ostend, direkt neben der Europäischen Zentralbank, entsteht nach Plänen des Frankfurter Büros Meixner Schlüter Wendt die neue Deutschland-Zentrale der Bank ING. 15 Monate nach Baubeginn ist der Rohbau des Turms abgeschlossen. Mit 60 Metern zählt er zu den kleineren Frankfurter Hochhäusern. Es handelt sich aber um das höchste Gebäude des Hafenpark-Quartiers, das seit einigen Jahren vom Hamburger Unternehmen B&L entwickelt wird.
Hochhaus ohne fossile Energiequellen
Während der Betriebsphase soll das Hochhaus völlig ohne fossile Energieträger auskommen. Für die Heizung des Gebäudes wird zum Beispiel die Abwärme eines benachbarten Abwasserkanals genutzt. Außerdem sind Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an den Fassaden vorgesehen. Beim Bau selbst kommt unter anderem Beton einer speziellen Mischung zum Einsatz, die besonders klimafreundlich ist. Ökologische Nachhaltigkeit spiele für den Entwickler und den Mieter eine zentrale Rolle, sagte Bernhard Visker, Geschäftsführer der B&L Gruppe. Die Bank, die ihre Büros derzeit an der Theodor-Heuss-Allee hat, wird die neuen Räume voraussichtlich 2028 beziehen.
Das Hochhaus mit 16 Geschossen sowie ein benachbartes, flacheres Bürogebäude sind der vierte Bauabschnitt des Hafenpark-Quartiers. Bisher sind Wohnungen entstanden, unter anderem in zwei Türmen. Außerdem steht auf dem Areal, auf dem sich früher auch eine Tankstelle befand, ein Hotel der Marke Scandic.
Aber auch unterhalb der Hochhausgrenze wird in Frankfurt weiter gebaut. Für das Bürogebäude SEED, das die Strabag Real Estate im Europaviertel neben dem F.A.Z.-Tower errichtet, wurde in dieser Woche ebenfalls Richtfest gefeiert. „Solche Investitionen stärken den Wirtschaftsstandort Frankfurt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Europaviertels“, sagte Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP).
Mitte 2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, die Hälfte der Büroflächen belegen Einheiten aus dem Strabag-Konzern, unter anderem das Bauunternehmen Züblin. Im Erdgeschoss sind außerdem Gastronomieflächen vorgesehen. Die Gespräche über die Vergabe sind laut Andreas Hülsken, Bereichsleiter Rhein-Main der Strabag Real Estate, weit fortgeschritten.
