
Das Ende der Marke Tegut rückt näher. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 178 Filialen der hessischen Supermarktkette durch den Edeka-Verbund genehmigt. Die meisten davon befinden sich nach der Liste des Bundeskartellamts in Hessen, Bayern und Thüringen. Sie sollen nun schrittweise in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden, wobei ein Teil der Filialen als Netto Marken-Discount weiter geführt werden soll, wie die Edeka-Zentrale informiert. In Frankfurt betrifft das sechs von 20 Märkten.
Zum Übernahmepaket der Edeka-Gruppe gehören neben 41 automatisierten Teo-Minimärkten auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach und die Bäckerei Herzberger in Fulda. Aufgrund der Entscheidung könne man „die Fortführungskonzepte“ für die Unternehmen nun weiterverfolgen. „Wir bleiben zuversichtlich, auch hier einen wesentlichen Teil der Arbeitsplätze sichern zu können“, teilt Edeka mit. Alles in allem erhielten mit der Entscheidung rund 3700 Mitarbeiter, unter diesen 190 Auszubildende, eine Zukunftsperspektive. Zur Zukunft der Teo-Minimärkte könne man noch keine Details nennen, hieß es auf Anfrage.
Verzicht auf 24 Standorte im Zusatzangebot
Ursprünglich wollte Edeka 202 der rund 300 Tegut-Märkte kaufen und weiterbetreiben, allerdings hatte die Behörde Bedenken, dass der Marktanteil in einigen Regionen zu hoch sein und Wettbewerb dadurch verhindert werden könne. In einem Zusatzangebot verpflichtete sich Edeka deshalb, auf 24 Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren zu verzichten. Mehr als die Hälfte davon, insgesamt elf Tegut-Märkte, liegen in Hessen, vornehmlich in Nord- und Osthessen. „Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.
Noch offen ist, wie es mit den 24 Standorten, die Edeka für vier Jahre nicht erwerben darf, weitergeht. Die Entscheidung bedeutet nicht, dass diese Standorte geschlossen werden. Vielmehr könnten andere Bewerber zum Zug kommen. Die Schweizer Muttergesellschaft, die Genossenschaft Migros Zürich, teilt auf Anfrage mit: „Standorte, für die bisher noch kein Erwerber gefunden wurde, werden in einem weiteren, aktuell laufenden Bieterverfahren angeboten.“
Entscheidung über Rewe-Pläne steht noch aus
Bereits im Juni hatte das Bundeskartellamt der Übernahme von 36 Tegut-Märkten durch die Smart-Store-Kette Tante Enso zugestimmt, unter diesen 16 in Hessen. Die Standorte, für die das Bremer Start-up mit seinem Dorfladen-Konzept den Zuschlag erhalten hat, liegen überwiegend in ländlichen Regionen.
Die Entscheidung für 40 Tegut-Märkte, die der Rewe-Konzern übernehmen will, steht noch aus. Auch in diesem Fall hatte das Kartellamt wettbewerbsrechtliche Bedenken wegen zu hoher Marktanteile in drei Regionen geäußert und in einem Entscheidungsentwurf angekündigt, das Übernahmeverfahren vollständig zu untersagen. Wie es in solchen Verfahren üblich ist, hat Rewe ein Zusatzangebot unterbreitet, um die Bedenken auszuräumen. Dadurch verlängert sich die Entscheidungsfrist auf Ende Oktober. Als kritisch gelten laut „Lebensmittelzeitung“ zwei Filialen in Marburg und eine in Schlüchtern.
Für die Stadt Frankfurt, in der Rewe mit rund 80 Märkten die Spitzenposition hat, bedeutet die Übernahme von 20 Tegut-Märkten eine Verschiebung zugunsten von Edeka, wobei Rewe der Platzhirsch bleibt. Denn mit knapp zehn Standorten (ohne die der Discounter-Tochtergesellschaft Netto) ist Edeka bisher deutlich seltener vertreten. Das Unternehmen betreibt über selbständige Kaufleute vor allem große Märkte wie die Scheck-in-Center im Ostend, in Sachsenhausen und in Niederrad. In der Innenstadt ist der Kaufmann Jafar Graf mit seinem Supermarkt im neuen Hochhausquartier Four bisher der einzige Vertreter. Mit dem Tegut-Markt an der Konstablerwache kommt nun ein weiterer prominenter Standort hinzu.
Einen Vorsprung könnte Edeka auf dem Discounter-Markt in Frankfurt durch das Umflaggen von sechs Tegut-Filialen auf die Marke Netto gewinnen. Mit um die 20 Märkten bewegt sich der Edeka-Discounter bisher bei der Anzahl der Standorte etwa auf dem Niveau von Aldi und Lidl.
Edeka verspricht Investitionen in die neuen Märkte, eine größere Sortimentsvielfalt, wettbewerbsfähige Preise und bessere Chancen für regionale und lokale Lieferanten.
