
Die Stadtverordnetenversammlung hat die Einrichtung des lange umstrittenen Suchthilfezentrums, an dem letztlich die Römer-Koalition im vergangenen Jahr zerbrach, endgültig beschlossen. Nachdem die Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG), zur Hälfte in städtischer Hand, das Haus Niddastraße 76 im vergangenen Jahr für knapp 5,5 Millionen Euro gekauft hatte, sei nun der Mietvertrag über eine Laufzeit von 20 Jahren mit den Trägern geschlossen worden, heißt es in einer Mitteilung des Magistrats. Die Miete werde 2027 anteilig, von 2028 an je 949.000 Euro im Jahr betragen.
Die KEG wird das Gebäude umbauen, damit es als Suchthilfezentrum insbesondere für Crackabhängige genutzt werden kann. Im nächsten Schritt muss die Baugenehmigung bewilligt werden. Der Antrag sei bereits eingereicht, bestätigt ein Sprecher des Sozialdezernats. Man hoffe noch in diesem Jahr auf die Erteilung. Langfristige Mietverträge mit den Trägern sollen die Investition refinanzieren. Als Träger mit unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten wurden im vergangenen Jahr die Jugendberatung und Jugendhilfe sowie die Aidshilfe, die Integrative Drogenhilfe und die Malteser Suchthilfe Frankfurt bestimmt. Damit medizinische Versorgung, psychiatrische Stabilisierung und Suchthilfe zusammen angeboten werden können, sind auch die psychiatrischen Kliniken in Frankfurt als Kooperationspartner eingebunden.
Drogenreferat soll Suchthilfezentrum steuern
Gesteuert werden soll das Suchthilfezentrum durch das Drogenreferat der Stadt. Auch in der Niddastraße 76 wird es vertreten sein und den Zugang zum Hilfezentrum koordinieren, heißt es in der Magistratsmitteilung. Lange war darüber zwischen den Fraktionen Streit entbrannt, ob im Suchthilfezentrum ausschließlich Drogenkranke aus Frankfurt betreut werden sollten.
Im Koalitionsvertrag ist bereits festgehalten, dass die Ausstiegsorientierung im Suchthilfezentrum stärker im Mittelpunkt stehen solle als bisher geplant, dass es jedoch keinen Abstinenzzwang geben solle. Die Dezernate von Elke Voitl (Soziales/Die Grünen), Martin-Benedikt Schäfer (Ordnung/CDU) sowie von Tina Zapf-Rodriguez (Sauberkeit/Die Grünen) sollen künftig gemeinsam handeln, wenn es um das neue Zentrum in der Niddastraße geht.
Kritik am Vorhaben kommt aus der Opposition: Die FDP-Fraktion im Römer wirft der neuen Stadtregierung vor, eine gescheiterte Drogenpolitik unverändert fortzuführen. Die CDU habe das Konzept des Suchthilfezentrums noch im vergangenen Jahr aus der Opposition heraus zu Recht infrage gestellt. „Jetzt sitzt sie in der neuen Stadtregierung und trägt genau das mit, was sie selbst für falsch hielt“, sagt Isabel Schnitzler, sozialpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. Die FDP hatte den Standort im dicht besiedelten und ohnehin belasteten Bahnhofsviertel abgelehnt und stattdessen für einen Standort auf verfügbaren Brachflächen plädiert. Dort ließen sich Suchtkranke medizinisch versorgen, ohne Anwohner, Gewerbe und Besucher zusätzlich zu belasten.
