
Jetzt kommt, vielleicht, die Diskussion in Gang, die man der Frankfurter Theaterlandschaft und dem Publikum gewünscht hätte, bevor neue Förderrichtlinien beschlossen wurden. Sie greifen von 2028 bis 2030, im Übergangsjahr 2027 sind mehrere auch international hoch anerkannte Künstler aus der Mehrjahresförderung der Stadt gestrichen worden.
Viele haben davon zu spät erfahren, um noch reagieren zu können, auch persönliche Gespräche hat es kaum oder erst spät gegeben. Nun gibt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zu, an der Kommunikation ihres Dezernats und des Kulturamts müsse gearbeitet werden. Und die neuen Förderrichtlinien, die seit 2024 erarbeitet, aber kaum öffentlich diskutiert wurden, müssten möglicherweise nachgebessert werden.
Dass die Förderung Spielstätten und Künstler nun erstmals getrennt betrachtet und perspektivisch zwei Millionen Euro mehr Geld in Aussicht stehen, wird nicht ausreichen, um die Frankfurter Theaterlandschaft zukunftsfest zu machen. Die Zahl der Künstler hat sich vervielfacht, und trotz einer deutlichen Steigerung der Mittel vor zehn Jahren reichen sie bei Weitem nicht aus.
Im Interessenabgleich des gesamten Gemeinwesens wird es keine Vervielfachung der Kulturmittel geben. Es ist also eine kluge Strategie gefragt. Diese muss zum einen an der Nachwuchsförderung ansetzen und Weiterentwicklung ermöglichen, zum anderen aber auch den Mut haben, Künstler und Gruppen ganz oder teilweise wieder aus der Förderung zu entlassen. Zudem muss es eine Spitzenförderung geben – es spricht Bände, dass Begriffe wie Exzellenz und Qualität weder in der Diskussion noch im städtischen Kulturentwicklungsplan auftauchen. Auch über die Durchlässigkeit zwischen den von einzelnen Akteuren genutzten Räumen sowie erst recht zwischen dem festen und freien Theatersystem wird bisher eher geschwiegen.
Außer dem bei jeder Gelegenheit beschworenen Schulterschluss mit der freien Szene und dem Lob von Vielfalt und Digitalisierung ist dem neuen Kulturentwicklungsplan dazu nichts Substanzielles zu entnehmen. Mit dem Verweis auf rechtsgerichtete undemokratische Kräfte darauf zu beharren, Kulturpolitik dürfe sich nicht in Kunst einmischen, bedeutet noch lange nicht, keine Vision von einem Theater der Zukunft für Frankfurt zu haben.
Dafür muss in der Gegenwart gearbeitet werden. Dazu gehört nicht nur eine Bedarfsanalyse, die die freie Szene jetzt selbst leisten will. Es gehört, bei aller unanfechtbaren Freiheit der Kunst, auch die Frage dazu, wie Räume, Ressourcen und Möglichkeiten strukturiert und organisiert werden sollen.
Ein kleines, gelungenes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit des Mousonturms mit der internationalen und lokalen freien Szene in der temporären Jungen Theaterwerkstatt im Zoo. Diejenigen, die sich daran beteiligen, hoffen, diese Strukturen auch in das künftige städtische Kindertheater überführen zu können.
