
Die Stadt Frankfurt kann den zum 1. August neu eingeführten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder derzeit erfüllen. Wie das Bildungsdezernat auf Anfrage mitteilt, liegen der Stadt aktuell keine Klagen von Eltern vor, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchen. „Bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs für die ersten Klassen ist Frankfurt gut aufgestellt“, so das Dezernat.
Beratungsstellen machen jedoch darauf aufmerksam, dass viele ältere Grundschüler keinen Betreuungsplatz am Nachmittag hätten. Der Rechtsanspruch gilt nämlich zunächst nur für Erstklässler und wird Jahr für Jahr stufenweise um einen Jahrgang ausgebaut.
Die Stadt kann sich deshalb nicht zurücklehnen, sondern muss die Kapazitäten so ausbauen, dass in drei Jahren sämtliche Grundschüler mit Betreuungsplätzen versorgt werden können. Bisher ist das erst in 54 Grundschulbezirken der Fall. Demgegenüber stehen 24 Grundschulen, die den sogenannten Pakt für den Ganztag noch nicht erfüllen können. Die Ganztagsangebote in der Schule und in den Horten reichen in diesen Schulbezirken noch nicht aus, um eine Betreuungsgarantie für die Kinder aller Klassenstufen zu geben.
Oft hapert es noch an der Essensversorgung
Nach Angaben des Bildungsdezernats verfügen somit erst 68 Prozent der Frankfurter Grundschulen schon jetzt über ein Ganztagsangebot für alle vier Jahrgänge. Die übrigen Schulen können durch die schulinterne Betreuung und die Horte nur den jeweils ersten Jahrgang ganztägig versorgen.
Ergänzend zur schulinternen Nachmittagsbetreuung gibt es in Frankfurt 258 Horte, die Betreuungsplätze für Kinder im Grundschulalter anbieten. Insgesamt verteilen sich die verfügbaren Plätze zu zwei Dritteln auf schulische Angebote und zu einem Drittel auf externe Horte. Die Angebote werden in den Schulbezirken unterschiedlich stark in Anspruch genommen. In der ganzen Stadt nutzen 81 Prozent der Schüler einen Betreuungsplatz.
Um auch an den verbleibenden 24 Grundschulen die Ganztagsangebote auf alle vier Jahrgänge ausweiten zu können, müssen noch zahlreiche Schulgebäude umgebaut und erweitert werden. Oft mangelt es noch an der Essensversorgung. In der zweiten Staffel der Frankfurter Schulbauoffensive soll deshalb der Schwerpunkt auf jenen Bauvorhaben liegen, die für den Ganztagsbetrieb nötig sind.
Gewerkschaft: Frankfurt hat erste Hürde gut genommen
Laut dem neuen Schulentwicklungsplan wächst das Defizit an Betreuungsplätzen von Jahr zu Jahr: zum Schuljahr 2027/28 fehlen Plätze an vier Schulen, 2028/29 an elf Schulen und 2029/30 an 23 Schulen. In dem Jahr, in dem der Rechtsanspruch für alle Kinder gilt, fehlen der Prognose zufolge 2620 Betreuungsplätze.
Der größte Bedarf an zusätzlichen Plätzen besteht laut dem Schulentwicklungsplan in der Bildungsregion Mitte, die unter anderem die Stadtteile Rödelheim, Bockenheim, Gallus, Westend, das Bahnhofs- und Gutleutviertel und die Innenstadt umfasst. Besonders angespannt ist die Lage an der Friedrich-Fröbel-Schule in Niederrad, wo 2029 voraussichtlich 398 Plätze fehlen werden, sowie an der Günderrodeschule im Gallus mit 349 fehlenden Plätzen.
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beobachtet die Einführung des Rechtsanspruchs. „Frankfurt hat die erste Hürde gut genommen“, sagt der Landesvorsitzende Thilo Hartmann. Mit Blick auf ganz Hessen vergleicht er die Lage jedoch mit einem „Flickenteppich“: Einige Schulträger hätten wie Offenbach kreiseigene Gesellschaften gegründet, in denen die Erzieher der Ganztagsbetreuung nach Tarif bezahlt würden.
In Mittel- und Nordhessen hingegen müssten viele Schulen die Versorgung der Schüler selbst organisieren. Schwierig findet es Hartmann, dass freiwillige Angebote an Schulen wie Arbeitsgemeinschaften nun nur noch Kindern zur Verfügung stünden, die auch für die Ganztagsbetreuung angemeldet seien. Da die Betreuung kostenpflichtig sei, treffe dies gerade ärmere Familien.
