
Francesca Albanese ist die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Palästina. Von sich selbst redet sie als Expertin. Diese Rolle verteidigt sie gegen Anwürfe, ihre Berichte nähmen im Nahostkonflikt einseitig die Perspektive der Palästinenser ein. Der Eindruck entstand, weil sie alle Schuld im dortigen gewaltsam ausgetragenen Streit aufseiten Israels sieht.
Ein Recht auf Selbstverteidigung gibt es für sie beispielsweise nicht, wenn der angegriffene Staat ein Territorium militärisch besetzt hält. Das impliziert, die Mordtaten des 7. Oktober seien Akte des Widerstands. Für Albanese steht fest, Israel begehe einen Genozid. Über all das könnte man notfalls diskutieren. Nur keinesfalls mit ahnungslosen oder boshaften Leuten. Am deutlichsten zeigt sich ihre Beschränkung am Versuch, das historische Argument der Staatsgründer Israels zu entwerten. Er tritt extrem in der Behauptung hervor, die Judenvernichtung der Nationalsozialisten habe gar nicht in erster Linie den Juden gegolten.
Kenntnisfrei gibt sie sich den eigenen Phantasien hin
Albanese hatte zuletzt in diesem Sinne gesprächsweise mitgeteilt, der Begriff des Antisemitismus habe sich historisch nicht speziell auf Juden, sondern auf alle Menschen des Nahen Ostens bezogen. Die Juden seien für Nationalsozialisten vor allem Nichteuropäer gewesen. Das zeige sich unter anderem daran, dass in den Konzentrationslagern manche Insassen, die besonders geschwächten nämlich, als Muselmanen bezeichnet worden sind. Fast schien das nahezulegen, das wahre Ziel der nationalsozialistischen Mordtaten seien Muslime gewesen.
Inzwischen ist Albanese auf die Irrigkeit dieser Vorstellung hingewiesen worden. Was zutrifft, hätte sie zuvor in allen Geschichten des Antisemitismus nachlesen können oder auf Wikipedia, im fünften und sechsten Satz des Artikels zu diesem Begriff. Wenn sie sich jetzt für ihren Irrtum „aufrichtig entschuldigt“, bleibt die Frage zurück, was von einer Nahost- und Völkerrechtsexpertin zu halten ist, die elementare Kenntnisse auf ihrem Gebiet vermissen lässt. Die weder Primo Levi, ihren italienischen Landsmann, gelesen hat noch überhaupt irgendetwas über Konzentrationslager oder zum Begriff des Antisemitismus. Die sich also kenntnisfrei ihren eigenen Phantasien hingibt, was die Vorgeschichte der Fragen angeht, die im Nahen Osten auf tödliche Weise gestellt werden.
Ihre Kombination von maximal scharfen Urteilen und minimalem Wissen, verpackt in der Behauptung, Expertin zu sein, ist fatal. Fataler noch: Francesca Albanese steht mit dieser nonchalant törichten Herangehensweise an die ernsthaftesten Krisen unserer Zeit nicht allein. Im März 2025 hatten 77 deutschsprachige Völkerrechtler sich gegen die Absage von Vorträgen Albaneses an hiesigen Universitäten verwahrt. Sie verstoße gegen Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. Was für eine Wissenschaft denn? Zum Glück gelang es den Juristen nicht, aus dem Grundgesetz eine Pflicht von Universitäten herauszulesen, Dummheit zum Vortrag zu bitten.
