Am Samstagabend gab es die zweite gute Nachricht für das Formel-1-Team von McLaren nach der überraschenden Pole-Position für Lando Norris. Nach dem Qualifying für den Großen Preis von Ungarn (15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel und auf Sky) beugten sich die Streckenkommissare über die Vorfälle des Startplatzrennens. Was sie entschieden, wird das letzte Rennen vor der Sommerpause stark beeinflussen.
Denn erstens schoben sie den um einen Hauch von Norris (0,012 Sekunden) geschlagenen Lewis Hamilton von Rang zwei zurück auf Position fünf. Der Rekordpilot der Formel 1 hatte Oscar Piastri im zweiten McLaren ohne Not blockiert. Zweitens muss Kimi Antonelli Platz vier räumen, darf nur als Siebter losbrausen. Weil der Führende der Gesamtwertung unter „gelber Flagge“ sein Tempo nicht ausreichend und lange genug reduziert hatte. Nur für 0,03 Sekunden. Dort, wo sich Max Verstappen gedreht hatte, rauschte er gar schneller vorbei als zuvor.
Schwierige Prognose
Mit etwas Geduld hätte der Italiener stark profitieren können, wäre auf Platz drei vorgerückt, den nun Piastri hinter Ferrari-Pilot Leclerc und vor Max Verstappen (Red Bull) besetzt. Antonelli fiel gar hinter seinen Teamkollegen George Russell (6.) zurück. Und so ist die Prognose für den elften von maximal 22 Grand Prix schwierig, aber interessant geworden – zumindest aus Sicht der Formel-1-Freunde.
Denn die Schnellsten unter den ersten vier Kandidaten-Teams für den Sieg stehen in dieser Schlange am Ende. Diese Einschätzung mag auf den ersten Blick überraschen. Weil zunächst Ferrari – bei den Trainingstouren am Freitag – das Tempo vorgab, ehe Norris sich einmischte. Aber bei der Simulation der Grand-Prix-Distanz über rund gut 300 Kilometer zeigte Antonelli, was in seinem Silberpfeil steckt, wenn er denn wie am Schnürchen läuft: mit viel Benzin an Board bewegte er den Boliden so schnell über den Kurs von Mogoyród wie kein anderer.

Weil auch Russell bei diesem Test gut über die Runden kam, verzichtete Mercedes darauf, die Abstimmung zugunsten einer „schnelleren“ Runden im Qualifying wesentlich zu verändern. Den Rückstand am Samstag beim Sprint über seine Tour sahen Team und Fahrer vorher. Aber der Versuch einer Schadensbegrenzung endete „enttäuschend“ (Teamchef Toto Wolff) und dann noch mit der Strafversetzung.
Ob Antonelli und der ihm in Ungarn wieder deutlich unterlegene Russell die Stärke des W17 im Renntrimm ausspielen, also fünf Toppiloten, vom siebenmaligen Weltmeister über den viermaligen bis hin zum Champion von 2026 auf der Pole-Position überholen können? Das wäre ein Coup. Denn auf dem „langsamen“, „eckigen“ Kurs bieten sich kaum Überholmanöver an. Auch das unter Fahrern verpönte Energiemanagement wird kaum Hilfe bieten, weil es keine langen Geraden gibt, auf denen die Batteriekraft so stark zur Neige gehen könnte wie vor einer Woche in Belgien.
Wer es trotzdem wagt, wird harte Gegenwehr erfahren von den Verteidigungsspezialisten wie Hamilton und Verstappen und dabei vermutlich nicht nur Zeit verlieren, sondern auch den Verschleiß der Reifen stark vorantreiben. Dazu kommt eine Piste, die nach einer teils neuen Asphaltierung den Belastungen an wenigstens zwei Stellen, in der ersten und in der Ziel-Kurve, zunächst nicht angemessen standhielt. Ausbesserungsarbeiten sollen vor einer Unterbrechung – wie in Monaco – schützen. Aber die Hitze, kombiniert mit 22 schweren Boliden, weil anfangs mit vollen Tanks kreisend, droht die Strecke wieder zu überlasten.
Diese Konstellation lässt schon im Stillstand das Herz aller Fahrer pochen, die von der zweiten Startreihe an nach vorne schauen, ehe die Lichter der Startampel verlöschen. Vielleicht geht was auf den ersten Metern bis zur ersten Kurve. Vage Chancen bietet das Strategiespiel, später noch voranzukommen. Nico Hülkenberg, Zehnter mit seinem Audi beim Qualifying, setzt auf das Glück des Tüchtigen. Gewinnt er erstmals in dieser Saison einen oder gar mehrere WM-Punkte?
Der Dienstwagen scheint für eine Beschleunigung auch im Rennen diesmal fix genug. Wenn er denn durchhält. Das hoffen sie auch bei Mercedes. Russell musste seinen Silberpfeil am Samstag kurz nach der Zieldurchfahrt abstellen. Ein Wasserleck zwang die Mechaniker, den Antrieb zu tauschen. Der Einsatz des vierten Motors in dieser Saison liegt innerhalb des erlaubten Kontingents (vier). Zurückversetzt würde der Engländer erst beim nächsten Mal.
